eBook-Markt – quo vadis (update 10/16)

Im Juni erst hatten wir den eBook-Markt ausführlicher untersucht und darauf hingewiesen, dass eBooks nicht gleich eBooks sind. Anlässlich der Buchmesse sind gleich mehrere neue Studien hinzugekommen, die ein kurzes Update sinnvoll machen. Laut einer Studie der bitkom stagniert die Entwicklung bei den eBooks: jeder Vierte in Deutschland liest eBooks, wobei die Bereitschaft für eBooks mit der Jugend steigt. Dabei kommt dem klassischen Buchhandel immer weniger Bedeutung bei der Empfehlung bei. Ansgar Warner sieht Potenzial bei den älteren Viellesern und dem Kauf von eReadern und Aldi bietet gleich mal eBooks inklusive Plattform an.

Zunächst bleibt wie beim letzten Mal festzuhalten, dass nach wie vor bei den meisten Studien eine Differenzierung der Märkte fehlt. Wissenschaft und Fachbuch und Literatur funktionieren ganz anders, ebenso die jeweiligen eBook-Märkte. Rüdiger Wischenbart hat das in seinem aktuellen Global eBook-Report auch nochmal ausführlicher dargelegt.

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Im Westen nichts Neues. Auch in den USA bleiben Bücher wie Ebooks gleichermaßen attraktiv für drei Viertel der Bevölkerung. Weder Gedrucktes noch Digitales weist hierbei große Sprünge auf. (Quelle: statista.)

War das das Ende des eBook-Marktes? Die Suche und die Empfehlungen werden sich auf alle Fälle ändern, hier hat sich im Vergleich zu unseren Darlegungen nichts geändert: Der Buchhandel verliert an Bedeutung bei der Kaufempfehlung, gestöbert wird im Netz und die peer-groups sind in den sozialen Medien.

Ob die Jugend künftig mehr eBooks lesen wird, auf diese Frage wirft eine aktuelle Untersuchung des Pew Research Centers zu eBooks in den USA ein interessantes Licht. Auch sie verweist auf die Stagnation bei den eBooks. Aber Justin Fox weist auf Bloomberg darauf hin, dass die Hoffnung trügerisch sein kann, dass es so für immer bleibt. Denn aus Kundensicht sind die günstigeren Preise der eBooks und deren Vorteile beim Verteilen und synchronen Lesen groß. Und da Amazon, Apple, Google und Co. weiter keine Hemmungen haben werden, die Preise nach unten zu schrauben, ist die Gefahr für klassische Verlage groß, dass das gedruckte Buch als Preisanker nicht ewig so weiter Bestand haben wird.

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Wer ist die Schönste im ganzen Land? EBooks bleiben attraktiv, aber attraktiver scheinen doch noch die gedruckten Werke. Oder macht es die Mischung? Die Analyse fällt nicht einfach, denn es bleibt offen, ob der Kunde künftig auf das Lesen auf verschiedensten Geräten setzt oder das Gedruckte oder ganz andere, innovative Angebote, die weder durch Buch noch das aktuelle eBook bedient werden. (Quelle Pew Research Center)

 

 

Interessant ist die Beobachtung des Pew Research Centers, dass zunehmend digital recherchiert wird. Es liegt auf der Hand, dass das Buch als Leitmedium ausgedient hat. Für das Nachschlagen und die Überprüfung der Informationen, die einem die bots und sozialen Netzwerke vorgaukeln (siehe hierzu unseren letzten Beitrag), wird zunehmend nach fundierten Quellen gesucht. Und auch hier gilt: je jünger, desto wissbegieriger, je reicher, desto gebildeter. Studierende nutzen das eBook besonders häufig.

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Der Bücher werden über die Jahre gleich viele oder wenige gelesen. Hier hat sich kaum etwas geändert. (Quelle: Pew Research Center)

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Was aber eindeutig zugenommen hat ist die Recherche nach Inhalten. Wie immer man Recherche definiert und die Bandbreite von kritischen Quellenkundlern bis hin zu Linkhopping dabei in Kauf nimmt: Fakt ist, dass die Kunden bereit sind, sich einem Thema über mehrere Quellen ausführlich zu widmen. (Quelle: Pew Research Center)

 

 

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Und auffällig ist, dass das Lesen nicht abgenommen hat. Im Gegenteil, je jünger, desto lesebegieriger. Dass dabei das Gedruckte nur ein Teil der Wirklichkeit ist, versteht sich von selbst. Aber gelesen wird mehr denn je. (Quelle: Pew Research Center)

 

In diesem Zusammenhang lohnt sich auch der Verweis auf author earnings und deren letzte Studie: Überraschend haben die Selfpublisher bei den eBooks an Terrain verloren und einzig Amazon hat zugelegt. Die wie immer differenzierte Analyse lohnt sich, denn von den verstärkten Anstrengungen im eBook-Markt durch die großen Verlage, attraktives Marketing bei den kleineren Verlagshäusern bis zu Sondereffekte bei der Vermarktung mit Amazon gibt es zahlreiche Gründe für diesen Effekt. Der nächste Report wird uns durch die längere Zeitreihe wieder ein wenig Aufschluss geben und zugleich neue Fragen stellen. So ist das mit Statistiken.

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Überraschend stark sind die Selfpublisher eingebrochen bei den eBook-Verkäufen, während Amazon zugenommen hat. Auch die klassischen Verlage haben sich stabilisiert. (Quelle: Author earnings)

 

 

Veröffentlicht von

www.smart-digits.com

Meine Schwerpunkte sind die strategische Entwicklung von Unternehmen, die Gestaltung der passenden Geschäftsmodelle und die Kundenanalyse - das klingt nach trockenem Brot. Aber es kann sehr kreativ, anregend und erfüllend sein. Aus meiner Erfahrung als Produktmanager, Verlagsleiter und Geschäftsführer beim Carl Hanser Verlag und Haufe-Lexware kenne ich das Mediengeschäft und die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Mit Partnern entwickle ich Plattformen wie flipintu oder lectory und digitale Lernmethoden mit dem Goethe-Institut und verschiedenen Universitäten. Man muss etwas selber erfahren, um es auch vermitteln zu können. Nicht dass ich ein Fan von Steve Jobs wäre, aber seine legendäre Rede in Stanford ist klug und das Motto passt: Stay hungry. Stay foolish. Das Leben ist zu kurz, um es mit sinnlosen Meetings und Phrasen zu vergeuden.