Die Ökobilanz digitaler Produkte

Die Schattenseiten des digitalen Geschäfts liegen wie bei allen technologischen Neuerungen auch im Verbrauch von Ressourcen. Oft wird der ökologische Vorteil von digitalen Produkten hervorgehoben und arme Wälder werden ins Feld geführt, die ihr Leben für unnütze Bleiwüsten in vielseitigen Büchern lassen mussten. Das ist blauäugig. Natürlich verbraucht Papier wertvolle Rohstoffe. Aber immerhin gibt es schon erprobte und eingespielte Prozesse und Prüfsysteme zur Wiederverwertung, es gibt umweltschonendere Produktionsverfahren und Recyclingpapier. Bei unseren digitalen Produkten sind wir noch nicht so weit.

Die Ökobilanz hängt vom Verhalten der Verbraucher ab
Die verschiedenen Ökobilanzen und Studien für diesen Bereich weisen vor allem auf eines hin: Die Ökobilanz hängt immer vom Verhalten der Verbraucher ab. So zeigt z.B. eine Studie des Öko-Instituts für die Telekom, dass  Rechnungen per eMail nur dann deutlich weniger Ressourcen verbrauchen, wenn der Verbraucher keinen Ausdruck der Rechnung macht und wenn, dann mit Recyclingpapier. Nach wie vor werden Papier und digitale Vorlage parallel genutzt. Das papierlose Büro ist noch in weiter Ferne und der doppelte Energieverbrauch Alltag.
Denn auch das Internet kostet Energie. Jede Suchanfrage wird mit durchschnittlich zehn Watt Stromverbrauch berechnet und beim Herunterladen von Zeitungen als PDF wird deutlich: Nur die selektive, gezielte Verwendung des Internets schont Ressourcen.
Man kann durch Cloud Computing Energie sparen, aber nur, wenn man damit bisherige Gewohnheiten ersetzt:

  • weniger Flugreisen durch Videokonferenzen
  • weniger Pendelverkehr durch Home-Office
  • weniger CDs und DVDs durch Onlinebezug
  • weniger Warentransporte und weniger Papierverbrauch.

Und man kann seine Suchanfragen über Ecosia laufen lassen und dadurch Werbeerlöse einem guten Zweck zuführen. Dann hat man zumindest ein besseres Gewissen.

Welche Rohstoffe stecken in unseren “digital devices”?
Eine neuere Untersuchung von BITKOM zeigt, dass ca. 83 Millionen Alt-Handys in Deutschland vorhanden sind. Leider wird nur ein Bruchteil im Shop oder beim Wertstoffhof zurückgegeben, so dass wertvolle Rohstoffe verloren gehen. Armin Reller führt eindrucksvoll vor Augen, wie wichtig das Recycling von Handys ist, wenn man die Produktion von Smartphones und der dabei benötigten Rohstoffe betrachtet.  Wem diese Argumente noch nicht ausreichen, dem sei die Reportage von Frank Piasecki Poulsen über die Gewinnung des für die Produktion von Handys nötige Mineral Coltan im Kongo empfohlen (ab Minute 17 ca. erhält man durch Interviews und Bilder vor Ort einen Eindruck der Bedingungen).

Holger Ehling kommt vor allem aufgrund der Rohstoffe und ihres (fehlenden) Recyclings zum Schluss, dass nur die Leihbibliothek das ökologische Gewissen zu beruhigen vermag, da bei einem Vergleich des Energieverbrauchs von eReader und Buch beide ihre Schattenseiten offenbaren.

Man kann mit David Eagleman sicher einige ökologische Gründe für das Internet ins Feld führen und sieht die positiven Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben zur Lösung zahlreicher Fragen. Trotzdem führt uns die digitale Welt auch zu neuen (Gesundheits-) Problemen, die gelöst werden wollen.
Die Frage nach dem Umgang mit den Ressourcen ist eine. Und wir haben die Verantwortung dafür zu tragen.

Ein guter Vorsatz für 2012 könnte deshalb lauten:
Alte Handys recyceln, Altpapier verwenden und genau darauf achten, wann man die digitale Welt nutzt, wann das Gedruckte seine Vorteile ausspielt und wie man einen doppelten Ressourcenverbrauch vermeidet.
Auf ein gutes 2012.

Veröffentlicht von

www.smart-digits.com

Meine Schwerpunkte sind die strategische Entwicklung von Unternehmen, die Gestaltung der passenden Geschäftsmodelle und die Kundenanalyse - das klingt nach trockenem Brot. Aber es kann sehr kreativ, anregend und erfüllend sein. Aus meiner Erfahrung als Produktmanager, Verlagsleiter und Geschäftsführer beim Carl Hanser Verlag und Haufe-Lexware kenne ich das Mediengeschäft und die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Mit Partnern entwickle ich Plattformen wie flipintu oder lectory und digitale Lernmethoden mit dem Goethe-Institut und verschiedenen Universitäten. Man muss etwas selber erfahren, um es auch vermitteln zu können. Nicht dass ich ein Fan von Steve Jobs wäre, aber seine legendäre Rede in Stanford ist klug und das Motto passt: Stay hungry. Stay foolish. Das Leben ist zu kurz, um es mit sinnlosen Meetings und Phrasen zu vergeuden.