Internationalisierung – ein sinnvoller Schritt im digitalen Markt?

Jetzt, wo die Grenzen gefallen sind, wo in Sekundenschnelle digitale Produkte in die ganze Welt versandt werden, jetzt müsste doch der globale Markt allen offen stehen. Und die verpassten Chancen und Erlöse im Inland sollten durch die vielen Kunden jenseits der Grenzen zumindest kompensiert werden. Und so fragt auch Publishing Perspectives schon ganz aufgeregt, ob der US-Markt künftig nicht auch für ausländische Anbieter von Interesse sein dürfte. Schließlich sprächen stolze 20% (sic!) der US-Amerikaner auch eine andere Sprache und die splendid isolation des US-Buchmarktes sei bei eBooks doch schon längst vorbei.

Was braucht es, um international erfolgreich zu sein?
Betrachtet man die Wertschöpfungskette in Verlagen, so steht einer Internationalisierung eigentlich kaum noch etwas im Wege. Eine Übersetzung ist schnell gemacht, die Distribution kann über die großen Plattformen erfolgen und die Produktion ist im digitalen Markt sowieso schon an die Standards der Großen gebunden. Einzig ein Punkt sträubt sich: die Vermarktung.
In der Fülle der Angebote macht es nur Sinn, ein Programm zu entwickeln, wenn die Kunden darauf aufmerksam gemacht werden können. Noch bieten die digitalen Plattformen nicht das geeignete Instrumentarium, um wirklich effektiv neue Kunden zu gewinnen. Das bleibt nach wie vor Aufgabe der Verlage und Autoren.
Will man also international agieren, so sind auch hier genau diese Fähigkeiten gefragt. Und dies kann über Partner erfolgen oder die Entwicklung einer eigenen Marke.

Als Einstieg eignen sich natürlich vor allem Länder, in denen günstige Voraussetzungen gegeben sind. So ist es für spanische und südamerikanische Verlage äußerst attraktiv, die vielen hispanoamerikanischen Leser in Nordamerika zu erreichen.
Aber dafür sollten zwei Voraussetzungen erfüllt sein, damit es wirklich gelingt:

  1. Der Preis muss sich auch den meist geringeren Preisen des US-Marktes anpassen.
  2. Das Angebot muss umfangreich genug sein, damit Kunden auch ein attraktives Angebot erhalten, in dem sie stöbern und fündig werden können.

Die Distribution ist also nur ein erster Schritt zum Kunden. Und wer z.B. nach deutschsprachigen Büchern in den USA sucht, dem wird es jetzt leicht gemacht. Aber diese Kundengruppe muss auch systematisch bearbeitet und erreicht werden, sonst reicht es für ein Geschäftsmodell nicht aus.
Die Preisfrage offenbart auch die zwei Seiten eines territorialen Schutzes aus der Sicht der Verlage: Einerseits sollen so Eigenheiten des jeweiligen Marktes gewahrt bleiben, um die Preise an die jeweiligen Kunden anpassen zu können, andererseits sollen digitale Produkte durch die ungehinderte Verbreitung rentabel werden.

Veröffentlicht von

www.smart-digits.com

Meine Schwerpunkte sind die strategische Entwicklung von Unternehmen, die Gestaltung der passenden Geschäftsmodelle und die Kundenanalyse - das klingt nach trockenem Brot. Aber es kann sehr kreativ, anregend und erfüllend sein. Aus meiner Erfahrung als Produktmanager, Verlagsleiter und Geschäftsführer beim Carl Hanser Verlag und Haufe-Lexware kenne ich das Mediengeschäft und die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Mit Partnern entwickle ich Plattformen wie flipintu oder lectory und digitale Lernmethoden mit dem Goethe-Institut und verschiedenen Universitäten. Man muss etwas selber erfahren, um es auch vermitteln zu können. Nicht dass ich ein Fan von Steve Jobs wäre, aber seine legendäre Rede in Stanford ist klug und das Motto passt: Stay hungry. Stay foolish. Das Leben ist zu kurz, um es mit sinnlosen Meetings und Phrasen zu vergeuden.