Neue eBook-Plattformen – David gegen Goliath?

eBooks machen ist nicht schwer, aber sie zu vermarkten dagegen sehr? Wie bei Apps geht es auch bei den eBooks darum, wie sie wohl zum Leser gelangen. Im traditionellen Buchmarkt haben sich die Strukturen gebildet. Im eBook-Markt noch nicht. Noch ist das gedruckte Buch das Leitmedium. Aber wohl nicht mehr lange. Deshalb gilt alle Aufmerksamkeit der richtigen Vermarktung. Und damit auch dem Aufbau der eigenen Datenbank über die eigenen Kunden.
Pünktlich zur Buchmesse – und in Verbindung mit der O’Reilly ToC-Frankfurt-Konferenz im Vorfeld der Buchmesse – wurden zwei neue, unabhängige eBook-Plattformen vorgestellt und in den (US)-Medien gepusht.

Zolabooks – eine eBook-Plattform, die im Prinzip versucht, den belesenen (literarischen) Buchhändler mit seiner Auswahlempfehlung für den geneigten Leser ins digitale Zeitalter hinüber zu retten: Kuratoren, die Bücher oder ganz Bücherlisten empfehlen, Bestsellerlisten oder auch Feuilleton-Empfehlungslisten aus den (gedruckten und digitalen) Medien, die Social-Media-Kanäle der Verlage und der Autoren: Alle diese Empfehlungen sollen eine “Buchhandelsatmosphäre” im Netz schaffen, den Leser entsprechend ideal informieren. Um dann eben genügend eBooks zu verkaufen: Entweder direkt im Zolabooks-Store oder eben auch im white-label-store, den dann der Buchhändler als seinen eBook-Store ausstaffieren kann (die gerade wieder abgeschaffte Google-Books-Lösung für Buchhändler lässt grüßen).
Selbstverständlich gibt es alle Social-Reading-Funktionalitäten, so dass der geneigte Leser auch nicht mehr am Abend in den Lesezirkel muss, oder sich gar mit seinen Freunden beim Bier oder Wein über das aktuelle Buch austauschen muss. Das geschieht nun alles ebenfalls digital……
Die eBooks können nur bei Zolabooks gekauft und dann in die bestehende devices importiert werden (oder eben als HTML5-Anwendung direkt in der Zolabooks-App gelesen werden). Der bereits bestehende Bestand an eBooks auf Kindle, Nook, iPad, etc. bleibt dort – und kann nicht integriert werden.

BookShout! geht genau diesen Schritt weiter: Durch die Angabe des Kindle-/Nook-/etc.- accounts des Lesers können die bereits bestehenden eBook Bestände analysiert werden und diese geprüften (und durch den Leser bereits bezahlten Leselisten) in BookShout! importiert werden – sofern BookShout! selbst schon die entsprechende (eBook-)Rechte mit den Publishern vereinbart haben. Dieses Kopieren der Leseliste aus Kindle / Nook / etc.  (und dem anschliessenden erneuten Download dieser bereits vom Kunden erworbenen Buchrechte durch und auf BookShout!) ist derzeit in den USA ein sehr umstrittenes Thema – und viele erwarten, dass amazon bzw. B&N und Kobo  sich diese Funktionalität nur kurz anschauen werden – und relativ schnell versuchen werden, diesen Export der Lesliste zu verhindern – und damit den Leser im eigenen Ökosystem (gefangen?!) zu halten.
Zunächst ist dieser Export jedoch möglich und somit  können bei BookShout! ebenfalls die Social-Reading-Funktionalitäten genutzt werden.

Fazit?

Bei beiden Plattformen stellt sich die Frage, ob die Innovationskraft dieser Angebote hoch genug ist, um den Platzhirschen (und allen voran amazon/kindle) Marktanteile im eBook-Vertrieb abnehmen zu können.
Sicherlich ist das literarisch ambitioniertere Projekt Zolabooks eine interessante Möglichkeit für Verlage direkt zu testen, inwieweit sich Social-Media- und PR-Aktivitäten auf eBook-Abverkäufe auswirken (Zolabooks will dazu die Detailzahlen online zur Verfügung stellen) – dennoch erinnert das Projekt ein wenig an die Literarische Großstadtbuchhandlung, die in ihrer Nische überlebt – auch wenn Hugendubel oder Thalia (noch) Ihre Großfläche in derselben Stadt bewirtschaften…. Aber genau darin liegt ja wohl auch eine Chance: Sich durch eine individuelle e-Marketing-Kampagne gegen die amazon-Flut durchzusetzen.
Inwieweit BookShout! sich diese Informationsdichte rund um die angebotenen eBooks ebenfalls leisten wird, lässt sich derzeit nicht erkennen. Und ob damit der Vorteil, alle Bücher eines Lesers an einem Platz verwalten zu können, ausreichend ist, um als selbständige Plattform im Markt bestehen zu können, muss abgewartet werden.

Noch sind weder BookShout! noch Zolabooks in Deutschland am Start. Umso mehr lohnt es sich, die Entwicklung dieser beiden Portale in den nächsten Wochen zu verfolgen – auch um evtl. zu lernen, wie man es nicht machen sollte….

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Ich bin Experte für Geschäftsmodelle und digitale Technologieentwicklung. Als operativ tätiger kaufmännischer Geschäftsführer biete ich internationale Erfahrung in Finanz- und Rechnungswesen, Gesellschaftsrecht, Personal, Vertrieb und Verwaltung in High-Tech- und Medien- Unternehmen. Ich war CFO / COO in einem schnell wachsenden Start-Up (Deutsche GmbH und US Inc.) und habe die Gesellschafter in den Investment-Runden unterstützt sowie beim erfolgreichen Verkauf des Unternehmens an einen führenden US-Technologie-Konzern. Detailliertes Wissen habe ich durch operative hands on-Verantwortung erworben in den Bereichen Rechnungswesen, Finanzierung, Controlling, Berichtswesen und Steuern (IFRS, US-GAAP und HGB) von internationalen Mittelstandsunternehmen. Umfangreiche Erfahrung habe ich in der Gewinnung, Vertragserstellung und Vertragsauflösung von Mitarbeitern im internationalen Umfeld, einschließlich der Erlangung von Arbeitserlaubnis / Visum in Deutschland und in den USA.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Wir haben auf dem deutschen Markt doch schon genügend gute Selfpublishing-Anbieter mit günstigen Konditionen. Wieso brauchen wir da jetzt noch Nachschub vom US-Markt? Ich bin eher dafür die europäischen Plattformen zu stärken und zu unterstützen.