Digital Publishing Trends 2018 – Teil I: Wie werde ich sichtbar?

In guter Tradition fassen wir zur Buchmesse aus unserer Sicht wichtige Trends zusammen und reflektieren deren Auswirkung auf die Branche. Dabei erheben wir weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch den der umfassenden Analyse. Ziel ist die Anregung, das Nachdenken über das, was auf der nächsten Buchmesse schon wieder in anderem Lichte dastehen wird. Der erste Teil unser Zusammenfassung der Trends des Jahres dreht sich um die Frage der Sichtbarkeit, im zweiten Teil werden die Tools und Technologien dazu behandelt.

 

KI: Tools brauchen Wissen und Haltung

KI ist das Schlagwort der Stunde und die semantische Analyse von Texten ist immer deutlicher zu spüren. Die Autocomplete-Funktion verbessert die Suche, große Textmengen werden automatisiert zusammengefasst (wie hier im Beispiel von summarizebot – einer der Finalisten beim diesjährigen Content-Shift) oder gleich geschrieben. Die Eingabe von Texten auf WhatsApp gleicht einem begleiteten Schreiben: Die gebrechliche Nutzung der Sprache wird durch die kräftige Führung durch Vorschläge und Korrekturen ausgeglichen. Und die Entlarvung von Fake News zunehmend auf KI vertrauen, wenn ein Bot die Fehler des anderen Programms erfasst und meldet.

SummarizeBot: Texte besser verstehen und zusammenfassen als ein Mensch?

Dass in dem Spiel der Terminator die moralische Haltung den entscheidenden Unterschied ausmacht, das liegt auf der Hand. “KI ohne Moral” ist die Paraphrase von “Knowledge without character”, einer der von Gandhi zitierten 7 modernen, sozialen Sünden der Menschheit.

 

Metadaten – Monitoring kostet Schweiß

Metadaten sind die Währung für Sichtbarkeit in der digitalen Welt. Die Arbeit ist aber nicht getan mit einer einmaligen Klassifizierung der Titel. Die Welt ist keine Bibliothek mit einer festen Ordnung. Das Wissen um die “richtigen” und für den Kunden passenden Metadaten muss aus- und aufgebaut werden. Denn erst durch das gute Monitoring der Nutzung wird erkannt, was wirklich gebraucht wird. Erst dieses Wissen um die Standards, den aktuellen Gebrauch durch Kunden und die Beherrschung des Prozesses hebt den Schatz. Bedenkt man, dass diese Metadaten in gesprochenen Worten und Bildern (siehe unten) auch auftauchen müssen, erfasst man die Tragweite. Die Bedeutung wird zunehmend erkannt, wie der Zulauf zu unserem dritten Data Summit im November zeigt.

 

Hörst du schlecht? Audio fordert.

Alexa und Siri, Cortana und Watson wollen unsere treuen Gefährten der Zukunft sein, ob weiblich oder männlich ist noch offen. Sie wollen wie künstliche Hunde mit vielen Informationen gefüttert werden, um uns dann das passende Stöckchen zu bringen. Google home verknüpft das gleich mit einem Branding, indem Kinder früh lernen, dass “Hi, google” immer eine Antwort bietet. Die Spracherkennung funktioniert immer besser und die Umgangssprache ersetzt die schwer verständlichen Schlagworte in den Katalogen der Bibliotheken. Wissen wird für alle zugänglich und die Messe wird nicht mehr auf Latein gelesen.

 

 

Das hat aber auch Konsequenzen für die Medienanbieter. Sie müssen dem Volk aufs Maul schauen, wollen sie im knowledge graph auch richtig gefunden werden. “Mist, muss Tanke finden” will richtig interpretiert werden und diese Nutzungssituationen müssen vom Anbieter antizipiert werden, will er mit seinem Angebot auch sichtbar sein. Das gesprochene Wort unterscheidet sich vom geschriebenen. Und ob die weiblichen Stimmen wie Sirenengesang den armen Odysseus verführen oder führen, das ist offen. (Von der Bilderkennung und der Bestellung von Produkten aus einem Bild heraus ganz zu schweigen.)

 

Sichtbarkeit kostet Zeit

Semantische Analyse mit Hilfe von KI, Metadatenmanagement und das Einklinken in die Sprachassistenten dieser Welt: Die drei oben genannten Werkzeuge muss man ausprobieren und sich das Wissen dazu aneignen, um die Sichtbarkeit der eigenen Angebote zu ermöglichen. Zwar gibt es immer noch die Sammler und Sucher, die mit Freude am Stöbern fündig werden. Aber man kann sich nicht alleine auf sie verlassen, will man sein Geschäftsmodell auch professionell entwickeln.

 

 

Portfolio braucht Fokus

Die oben genannten Werkzeuge fordern Zeit, Wissen und Geld. Und das heißt auch, dass sie im ersten Schritt nicht für alle Angebote zur Verfügung stehen. Erst wenn die Erfahrungen da sind im Umgang mit den neuen Prozessen und zu sichtbaren Verbesserungen führen, erst dann lassen sich Skaleneffekte erzielen.

 

 

Solange man aber im Aufbau von KI, Metadatenmanagement und Suchsystemen ist, empfiehlt sich eine Fokussierung. Buyer Personas sind, richtig eingesetzt, hierfür sehr gute Begleiter, denn sie führen zu einer Fokussierung der eigenen Angebote auf das, was wirklich wichtig ist. Denn man muss immer vom Kunden aus denken, sonst wird man bei der Entwicklung von den technologischen Möglichkeiten in Sackgassen geführt, die viel Geld kosten. Sehr oft haben wir in den letzten Jahren Projekte gesehen, die vom technologisch Machbaren ausgegangen sind statt vom Kundenbedürfnis. Das rächt sich leider schnell. Im Teil II der Trends gehen wir näher darauf ein.

Veröffentlicht von

www.smart-digits.com

Meine Schwerpunkte sind die strategische Entwicklung von Unternehmen, die Gestaltung der passenden Geschäftsmodelle und die Kundenanalyse - das klingt nach trockenem Brot. Aber es kann sehr kreativ, anregend und erfüllend sein. Aus meiner Erfahrung als Produktmanager, Verlagsleiter und Geschäftsführer beim Carl Hanser Verlag und Haufe-Lexware kenne ich das Mediengeschäft und die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Mit Partnern entwickle ich Plattformen wie flipintu oder lectory und digitale Lernmethoden mit dem Goethe-Institut und verschiedenen Universitäten. Man muss etwas selber erfahren, um es auch vermitteln zu können. Nicht dass ich ein Fan von Steve Jobs wäre, aber seine legendäre Rede in Stanford ist klug und das Motto passt: Stay hungry. Stay foolish. Das Leben ist zu kurz, um es mit sinnlosen Meetings und Phrasen zu vergeuden.