Mobile Publishing: Update November 2015

Den Sommer haben wohl einige fleißig wie die Ameisen genutzt, um jetzt ihre Neuheiten zu präsentieren. Das Spektrum reicht hier von Apps über eBooks bis hin zu den Neuerungen in der Suche und der Wahrnehmung der Welt über Augmented Reality. Dass das Geldverdienen dabei nicht immer leicht ist, von Lateinamerika bis nach Südostasien, das versteht sich von selbst. Aber stöbern Sie doch selbst durch unsere Auslese des Monats November:

 Das richtige Produkt entwickeln

Die Ausdifferenzierung von eBooks und ePublishing: Teleread hat es aktuell in einem Artikel auf den Punkt gebracht: Die Digitalisierung differenziert die Produktentwicklung der Verlage auf ungeahnte Weise aus, weil je nach Größe des Verlages, nach Zielgruppe, nach Produkt-Genre und Nutzungsform ganz andere digitale Publikationsformen sinnvoll sind. Ein Phänomen, das wir auch in unserem Artikel über den Deutschen eBook-Award schon beschrieben haben. Joe Wikert beschreibt ergänzend dazu Wege, wie sich Digitalprodukte und Print-Bücher besser ergänzen können als bisher. Und Marianne Calilhanna skizziert bei Digital Book World die ideale Publishing-App aus Nutzersicht.

Einen interessanten Ansatz für das akademische Publizieren zeigen aktuell die „Cambridge Elements“: In diesem Digital-Imprint der Cambridge University Press werden akademische eBook-Singles mit kurzen Publikationszyklen, redaktioneller Betreuung per Fachredaktion und Peer-Review, Lesemöglichkeit auf allen digitalen Kanälen und angeschlossener POD-Schiene verknüpft. Wir sind gespannt, wie sich dieses Konzept entwickelt.

Für den Publikumsbereich dagegen hat Leah Withers auf BoingBoing eine Reihe bemerkenswerte Digital-Publikationen der letzten Zeit gesammelt – eine Fundgrube an Ideen für jeden Publikumsverlag. Die spannendste davon aus unserer Sicht: „The Pickle Index“: Das Produkt verbindet eine hochwertige Print-Ausgabe mit einem innovativen App-Konzept, das Roman, Rezeptbuch und soziales Netzwerk kombiniert. Einen Blick auf die App-Version gibt es auf Vimeo:

 

THE PICKLE INDEX — digital edition from Pickle Index on Vimeo.

 

So entwickelt sich der Markt

Internationale Märkte im Aufwind: Rüdiger Wischenbart hat es zur Buchmesse auf den Punkt gebracht: Eine der großen Chancen für die Buchverlage bei der Digitalisierung liegt in der Erschließung internationaler Märkte. Die Erfahrungen, die wir im Ausland in den letzten Jahren dazu gemacht haben, möchten wir dazu natürlich gerne beisteuern, ob es um den Buchmarkt in Lateinamerika und die dortigen Bibliotheken geht oder um einen Blick in die ostasiatischen Märkte aufgrund eines Besuchs der Buchmesse in Südkorea.

Einen ganz besonderen Charakter hat der Markt in Indien: Obwohl sowohl der Buchmarkt als auch das digitale Geschäft als Boom-Bereiche für die Zukunft angesehen werden, ist der Subkontinent kein unproblematischer Markt, wie zum Beispiel die Erfahrungen von Amazon in Indien zeigen. Unsere eigenen Erfahrungen und Einsichten haben wir dazu ebenfalls zusammengefasst, sowohl zu unserem Buchmesse-Besuch im letzten Jahr, als auch eine Markt-Einschätzung auf Basis unseres diesjährigen Seminarprojektes in Indien.

 

Die Technologien zur Umsetzung

Künstliche Intelligenz und Machine Learning: Searchmetrics berichtet auf seinem Blog über RankBrain, einen neuen Suchalgorithmus in der Google-Suche. Mit assoziativen Methoden und Deep-Learning-Techniken sollen dabei insbesondere Suchanfragen adressiert werden, die noch nie an die Suchmaschine gestellt wurden. Ebenfalls aus dem Bereich Machine Learning kommt TensorFlow: Diese von Google entwickelte KI-Engine ist jüngst zum Open Source-Projekt erklärt worden. Warum Google eine zentrale Technologie für die Öffentlichkeit freigibt und was sich aus diesem Bereich entwickeln könnte, zeigt Ben Thompson in seiner Analyse.

Die Zukunft der Mobile Apps: Für die App-Entwicklung zeigt Google mit seiner Technologie des „App-Streaming“ neue Perspektiven für Suche und mobiles SEO von App-Inhalten, sowie für den nächsten Schritt in der mobile User Experience. Parallel zur Ankündigung von Google ist dazu auch eine exzellente Analyse bei Tech.pinions erschienen. Die „Progressive Web Apps“ dagegen sollen neuen Schwung für die Entwicklung von Web-Apps geben: Bruce Lawson gibt eine gute Zusammenfassung des Konzeptes – dieses Feld zu beobachten, erscheint schon deswegen lohnend, weil selbst eCommerce-Anbieter wie Flipkart mit ihren wahrlich nicht einfachen Rahmenbedingungen in der Entwicklung auf dieses Konzept setzen:

 

 

So erreiche ich den Kunden

Facebook auf allen Kanälen: Betrachtet man die aktuelle Entwicklung bei Facebook, bekommt man das Gefühl, der Konzern weiß kaum noch, wohin mit seinem Innovationswillen. Facebook feuert aus allen Rohren, im Wochentakt werden neue Projekte in Technologie, Vermarktung und Publishing vorgestellt – und das Unternehmen strotzt nur so vor Selbstbewußtsein. Ein lesenswerter Longread der FastCompany gibt einen Überblick über die Pläne von Mark Zuckerberg  und die Hintergründe der Facebook-Strategie. Ein großer Innovationsbereich ist dabei aktuell Virtual Reality und die Entwicklung von Oculus Rift, hier sind besonders spannende Perspektiven für die Zukunft zu erahnen. Aber auch Machine Learning und KI-Forschung werden mit großer Energie vorangetrieben und zeigen, wie groß die Technologie-Kompetenz des soziale Netzwerks inzwischen ist. Ein kleiner Einblick dazu hier in einem Video zu Facebook MemNets:

 

 

Für Publisher aber dürften Initiativen wie die Facebook Instant Articles näher liegen: Die ersten Erfahrungen mit der Plattform zeigen deutlich, dass Facebook hier einen Nerv getroffen hat. Und so wird denn auch zum Ende des Jahres der Kreis der Verlage und News-Sites aus dem deutschen Raum bei den Instant Articles deutlich erweitert. Aber auch in anderen Content-Bereichen tut sich etwas: Facebook und Google haben die Integration ihrer Suchplattformen deutlich erhöht, und so werden in Zukunft in der Google-Suche die Inhalte der Mobile-App mit indexiert. Mit der neuen „Notify“-App versucht Facebook, dem Twitter-Dienst „Moments“ Konkurrenz zu machen. Und mit dem neuen Fundraising-Tool könnte bei entsprechendem Ausbau ein echter Rivale für Crowfunding-Plattformen wie Kickstarter entstehen.

 

So rechnet sich das

Apps, Apps, Apps – aber wo ist das Geschäftsmodell? Obwohl sich Mobile Apps auf Smartphones in den letzten Jahren zu allgegenwärtigen Begleitern des digitalen Alltags entwickelt haben, sind die App-Stores alles andere als eine Komfort-Zone für Anbieter – vor allem für Publisher. Ein Haupt-Problem: Obwohl die Gesamtzahl der Apps im Markt buchstäblich explodiert, sind sowohl die durchschnittlichen Downloads pro Nutzer als auch die Zahl der regelmäßig genutzten Apps in etwa gleich geblieben.

Business Insider gibt dazu in seinem Artikel „What’s next for mobile?“ einen guten Überblick über die Herausforderungen der nächsten Jahre und zeigt einige Lösungsansätze. Ebenfalls als guter Überblick von Technologie- und Business-Trends in diesem Bereich kann der „Tech and Media Outlook 2016“ der Analysten von activate.com dienen – zu finden auf Slideshare oder direkt hier zum reinblättern:

 

Activate Tech and Media Outlook 2016 from Activate

 

Wie auch in dieser Präsentation deutlich wird, gelten Freemium-Modelle aktuell als das Mittel der Wahl, um im Markt der Mobile Apps und Web-Applikationen nachhaltige Geschäftsmodelle aufzubauen. Doch auch Freemium ist kein Allheilmittel: Der Web-Analytics-Anbieter Baremetrics zeigt in einem spannenden Erfahrungsbericht, wie und warum eine Firma implodieren kann, wenn die Etablierung eines Freemium-Modells schiefgeht.

Ebenfalls gescheitert an den Herausforderungen des App-Business ist Touchpress: Obwohl die Agentur über dreißig zum Teil sehr erfolgreiche Apps veröffentlicht hat, unter anderen die hochgelobte „Elements“-App, hat sich das Unternehmen entschlossen, dieses Geschäftsfeld komplett aufzugeben. Denn auch mit verhältnismäßig populären Produkten war es offensichtlich nicht möglich, im Bereich Publishing-Apps langfristig genug Wertschöpfung zu erzielen.

Ein klassisches Problem der App-Stores ist zudem, dass sie in vieler Hinsicht nahezu komplett ungeeignet sind für B2B-Modelle, Branchenlösungen und Großkunden-Applikationen. Warum das so ist, und wie man diese Tatsache ändern könnte, zeigt Baldur Bjarnason in seinem Artikel „You can’t fix the App Store, so here’s how you fix it“.

 

Die Umsetzung

Selfpublishing im Buchhandel: Amazon hat es mit seinem ersten „echten“ Buchladen vorgemacht, hierzulande tut man sich dagegen mit Selfpublishing-Titeln im stationären Buchhandel noch sehr schwer. Mit den Tolino Books ist der erste Versuch gestartet, diesen Graben zu überwinden. Wie ein solches Projekt von der Idee bis zum fertigen Titel im Laden realisiert wird, berichten die Projektbeteiligten in einem lesenswerten Erfahrungsbericht.

 

Wir wünschen wie immer eine gute Lektüre!

Veröffentlicht von

www.dpc-consulting.de

XML- und Digital-Publishing-Professional mit Leib & Seele, seit Berufseinstieg in verschiedensten Projekten rund um Content-Management und Datenbank-basiertes Publizieren unterwegs. Seit 2012 selbständig als Berater und Trainer für digitales Publizieren.

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