amazon vs. Barnes & Noble (et al.): Multichannel ist auch für eBooks (noch) wichtig

In den USA haben sich Barnes & Noble – und in seinem Gefolge books-a-million und Indigo in Kanada – entschlossen, die bei Houghton Mifflin Harcourt erscheinenden Print-Ausgaben der vom amazon Verleger Larry Kirschbaum exklusiv erworbenen Buchrechte (u.a. neue Titel von Tim Ferris oder auch Deepak Chopra) nicht offensiv in seinen Läden anzubieten. Zumindest so lange nicht, bis nicht auch B&N die eBook-Rechte dieser Titel auf seinem Nook vertreiben kann.

So lange sich nicht Online/Mobile First bei den Büchern durchgesetzt hat, ist offensichtlich eine Multichannel-Strategie nach wie vor wichtig, um die Verbreitung eines Titels in allen zur Verfügung stehenden Lesemärkten zu gewährleisten. Das sieht wohl auch amazon so und verhandelt daher auch im Hintergrund mit Barnes & Noble. Umgekehrt will natürlich auch Barnes & Noble auf die Direkt-Marketing-Maschine von amazon für das neue amazon-eBook nicht verzichten – und daher auch die amazon-Titel als eBook auf dem Nook anbieten. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob am Ende – und unabhängig von den eBook-Rechten – nicht doch Barnes & Noble die gedruckten Bücher anbieten wird – gerade weil diese Bücher durch die amazon-Direkt-Marketing-Maschine auch im stationären Handel nachgefragt werden. Am Ende zählt auch bei Barnes & Noble, was in der Kasse ist.

Vielleicht ist die ganze Diskussion nur eine Momentaufnahme: Mit einem Fortschreiten des Online/Mobile First-Verhaltens bei Autoren, Verlagen und Lesern wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Verhandlungsposition eines einseitig (stationär) starken Multichannel Partners wie Barnes & Noble schwächer wird. Und wenn sich amazon nur entschließt, den offensichtlich in Seattle geplanten Test-Laden für Kindle Produkte und amazon-Bücher weiter auszubauen – dann gewinnt Multichannel nochmals eine ganz andere Bedeutung.

Zu einem Vergleich von Nook und Kindle Fire:
https://www.smart-digits.com/2011/11/smart-digits-tipp-amazon-fire-vs-barnes-nobles-nook/

Unser Einschätzung zu amazon in 2012:
https://www.smart-digits.com/2012/01/2012-im-jahr-von-amazon/

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Ich bin Experte für Geschäftsmodelle und digitale Technologieentwicklung. Als operativ tätiger kaufmännischer Geschäftsführer biete ich internationale Erfahrung in Finanz- und Rechnungswesen, Gesellschaftsrecht, Personal, Vertrieb und Verwaltung in High-Tech- und Medien- Unternehmen. Ich war CFO / COO in einem schnell wachsenden Start-Up (Deutsche GmbH und US Inc.) und habe die Gesellschafter in den Investment-Runden unterstützt sowie beim erfolgreichen Verkauf des Unternehmens an einen führenden US-Technologie-Konzern. Detailliertes Wissen habe ich durch operative hands on-Verantwortung erworben in den Bereichen Rechnungswesen, Finanzierung, Controlling, Berichtswesen und Steuern (IFRS, US-GAAP und HGB) von internationalen Mittelstandsunternehmen. Umfangreiche Erfahrung habe ich in der Gewinnung, Vertragserstellung und Vertragsauflösung von Mitarbeitern im internationalen Umfeld, einschließlich der Erlangung von Arbeitserlaubnis / Visum in Deutschland und in den USA.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Bzgl. der m.E. wachsenden Bedeutung des ‘Multichannelvertriebs für Content’ z.B. als Bücher oder E-Books stimme ich ganz zu (ich halte es da weniger mit Herrn Krischs Meinung s. http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2012/01/31/multichannel-ist-ein-mythos.htm ).
    Diese momentan laufende Auseinandersetzung zwischen B&N und amazon stecke ich allerdings in eine andere Ecke: da geht es doch eher um Standing, amerikanisches Verständnis von Exklusivität, Meistbegünstigungs-Klauseln etc. – und damit einfach um ‘Stärke’ und erhobenen Zeigefinger gegenüber den Verlagen, es mit den Googles, Amazons und Apples nicht zu doll zu treiben – und weniger um die Vertriebsstrategie. In jedem Fall – und nicht nur ‘vielleicht’ : das ist eine Momentaufnahme (auch der Hilflosigkeit bzw. der s.g. ‘Experimentierfreude’ der Verlage)!