Die Zukunft des Lernens, die Zukunft der Universitäten – eine Studie aus den USA

Und wieder einmal hat das PewResearchCenter eine interessante Studie zur Zukunft des Lernens herausgebracht. Diesmal liegt der Schwerpunkt auf der “höheren” Ausbildung, sprich der Zukunft des Lernens an den Universitäten.
Die Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden (universitas magistrorum et scholarium) braucht nicht mehr unbedingt einen gemeinsamen, realen Ort. Für eine umfassende, universale Bildung bietet sich eh der virtuelle Raum an. Die Experten und die Interessenten sind global verteilt. Die Wissenschaft ist längst schon international.
Hinzu kommt der Druck auf die Kosten der Ausbildung. In den USA sehen zwar 60% der Bevölkerung einen positiven Effekt der Universitäten für die Gesellschaft, bei den Abgängern sind es sogar 84%. Aber zugleich wollen Eltern wie Studenten gerne ein wenig sparen, weil ihnen die Ausbildung zu teuer erscheint (75%) und die gebotene Leistung nicht ausreicht (57%).
Die Universitäten stehen also unter Druck, weil zeitgleich andere Bildungsanbieter – von iTunes U bis zu Firmen – auf den Markt drängen. Plattformen wie Coursera, Udacity oder 2tor sind eindrucksvolle Beispiele mit ihren kostenlosen Kursen und Lernprogrammen.

Bei der Untersuchung wurden über 1000 Verantwortliche befragt, wie sie die universitäre Weiterbildung im Jahr 2020 sehen, und das Bild ist nicht einfach zu interpretieren.

Im Detail zeigen die Antworten viele denkbare Szenarien und Zwischentöne, die sich keinem eindeutigen Lager zuordnen lassen. Und auch die kritische Töne zu den Möglichkeiten und der Geschwindigkeit der Veränderung sind deutlich zu vernehmen:

  • Digitales Lernen wird als “distance learning” wenig Mehrwert bieten und kann den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Die Universität als Ort der persönlichen Weiterbildung wird bleiben.
  • Die Bürokratie der Universitäten wird eine schnelle Änderung verhindern.
  • Die Veränderung wird langsam vor sich gehen, aber sie wird kommen. Denn nicht alles, was technologisch machbar ist, wird sich hier auch gleich durchsetzen.

Dabei prophezeihen 60% eine deutlich veränderte Ausbildung, in der die Präsenzveranstaltung vor Ort nur noch einen geringen Teil eines Gesamtprogramms ausmachen wird.

  • Die heutige Ausbildung trifft nicht mehr den Nerv der Zeit und muss sich zwangsläufig ändern. Der Druck der Studenten und Eltern ist groß.
  • Da sich der Arbeitsmarkt und die Anforderungen an die Mitarbeiter schneller ändern als die Lehrpläne an den Universitäten, werden praxisnahe Ausbildungskonzepte stärker gesucht.
  • Der Frontalunterricht wird durch die Möglichkeiten im Internet zunehmend durch andere, neue Formen des Lernens und der Zusammenarbeit ersetzt. Bisher wurden die Möglichkeiten der digitalen Medien nur begrenzt ausgelotet. Meist wurden die Methoden aus der “alten” Welt in die “neue” übertragen.
  • Universitäten werden ihre Studenten besser auf das Lernen nach dem Lernen vorbereiten müssen und zeigen, wie man sich ein Leben lang weiterbildet.
  • Es wird mit beiden Lehr– und Lernmethoden gearbeitet. Sie überschneiden sich, sie befruchten sich. Hybride Lernformen, die online und offline-Welt verknüpfen wird es ebenso geben wie reine e-learning-Plattformen.
  • Eine geringere Anzahl von Studenten und ökonomische Zwänge der Universitäten werden eine Zwei-Klassen-Gesellschaft hervorbringen: ein digitales Angebot für die Masse und ein individuelles, persönliches Programm zu deutlich höheren Kosten.

Und die Verlage? Sie können sich damit trösten, dass auch andere Branchen von der Verwandlung durch das Internet betroffen sind. Aber ob sie auch einen Teil des Kuchens abbekommen? Universitäten oder die oben genannten Anbieter von Onlineangeboten sind künftig auch ihre Konkurrenten.

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www.smart-digits.com

Meine Schwerpunkte sind die strategische Entwicklung von Unternehmen, die Gestaltung der passenden Geschäftsmodelle und die Kundenanalyse - das klingt nach trockenem Brot. Aber es kann sehr kreativ, anregend und erfüllend sein. Aus meiner Erfahrung als Produktmanager, Verlagsleiter und Geschäftsführer beim Carl Hanser Verlag und Haufe-Lexware kenne ich das Mediengeschäft und die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Mit Partnern entwickle ich Plattformen wie flipintu oder lectory und digitale Lernmethoden mit dem Goethe-Institut und verschiedenen Universitäten. Man muss etwas selber erfahren, um es auch vermitteln zu können. Nicht dass ich ein Fan von Steve Jobs wäre, aber seine legendäre Rede in Stanford ist klug und das Motto passt: Stay hungry. Stay foolish. Das Leben ist zu kurz, um es mit sinnlosen Meetings und Phrasen zu vergeuden.