Mobile Trends 2015 – auch für Publisher

Der Mobile Trends Report von Fipp.com für 2015 erläutert, wie die weltweite Entwicklung verläuft. Wenig überraschend ist mobile first bei den Kunden vor allem dort wichtig, wo in den lokalen Ökonomien bisher viele der hierzulande bekannten Zwischenhändler fehlten. Für diese Länder ist die mobile Revolution gesellschaftlich noch bedeutender, zum Teil auch befreiend. Auch ein wenig überraschend befindet sich Deutschland beim mobilen Zugriff auf das Netz zwar hinter Kenia und Thailand, aber auch vor den USA und Japan. Der Report kommt unter anderem zu den folgenden Ergebnissen:

Unter den Ländern, in denen bereits jetzt der mobile Internetzugriff über den Desktop-Zugang dominiert, sind natürlich viele Emerging Markets aus dem afrikanischen und asiatischen Raum. Welche Bedeutung Mobile alleine für das Thema Lesen in Entwicklungsländern hat, hat letztes Jahr eine vielbeachtete Studie der UNESCO gezeigt. Und wer jetzt die Nase rümpft über Lesen am Smartphone, sollte bedenken, dass in vielen dieser Regionen das Gerät nicht nur die Möglichkeit zum Lesen, sondern in vielen Lebensbereichen schlicht die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe an sich bedeutet

Aber auch, dass sich Deutschland mit unter den oberen Rängen befindet, ist nicht unbedingt Zufall: Zwar hinken hierzulande die Netze und die Möglichkeiten zu preiswertem mobilen Internet schmerzhaft hinter dem Bedarf her – aber auch eine jüngst von Steffen Meier zitierte Studie von TNS Infratest zeigt, dass hier eben die jüngere Generation zu den Treibern des mobilen Netzes gehören.

 

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Allein der Vergleich, wie viel Zeit die Kunden im Internet verbringen, wenn sie mobil oder vom Desktop zugreifen, unterstreicht die Bedeutung einer Mobile-First-Strategie. (Quelle/Copyright: www.fipp.com)

 

Mobile first wird die Devise der nächsten Jahre sein. Das hat Auswirkungen auf die Darstellung von Inhalten auf Smartphones, Phablets und Tablets, aber auch auf die Aufbereitung von Inhalten und die Zusammenstellung für die Nutzer. Und natürlich auf die Ablage und Speicherung von Formaten auf kleinster Ebene. Zusammengefasst heißt das:

  • Mobile first als Design-Prinzip: Angefangen von responsiver Darstellung des Content über mobile Optimierung der kapselnden Anwendung bis hin zu den mobilen Kundenzugängen und dem Geschäftsmodell.
  • Personalisierte Inhalte für spezielle Zielgruppen: Die mobilen Mehrwert-Dienste werden spürbare Auswirkungen auf die Nutzer-Erwartung an Content haben. Wer einmal von MyTaxi, Airbnb & Co. daran gewohnt wurde, jede Dienstleistung zu jeder Zeit an jedem Ort mundgerecht serviert zu bekommen, wird dies auch von seinen Inhalten erwarten.
  • Atomisierung der Inhalte bei der Datenhaltung: Damit die Anpassung auf diesen vielen Ebenen gelingen kann, muss der Content bereits feingranular und mit passenden Metadaten angereichert erstellt und gespeichert werden, damit vielfältige Visualisierungen und Produktzusammenstellungen möglich sind.

Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigt ein kurzer Blick auf die Nutzungsverteilung nach Geräten – zwar liegt der Desktop-Zugriff noch vorne, aber er sackt jedes Jahr stetig ab, während der mobile Zugriff immer mehr zulegt:

 

Global gesehen steigt der Zugriff auf das Internet über mobile Geräte drastisch, während der bisher vorrangige Zugriff über Laptops und Desktops sinkt. (Quelle/Copyright: www.fipp.com)

 

Spiele und soziale Netzwerke sind verständlicherweise die Treiber im mobilen Netz. Aber auch Musik, Kartendaten, Nachrichten und Bücher werden konsumiert. Viel spricht dafür, dass wir hier die Vielkonsumieren und Vielleser vorfinden, die auf mehreren Geräten zu Hause sind. Und gerade für diese Zielgruppen werden Streaming-Modell für Musik und Video, oder zentrale Medien-Hubs eine besondere Rolle spielen:

 

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Soziale Netzwerke und Streaming-Dienste sind vor allem für den Anstieg verantwortlich. (Quelle/Copyright: www.fipp.com)

 

Nicht ohne Grund bohrt Apple gerade sein Ökosystem mit hauseigenem Abo-/Flatrate-Service für Musik und einem kuratierten News-Dienst auf. Und Facebook versucht, auf vielen Ebenen gleichzeitig zum Universal-Medienprovider zu werden: von den Instant Articles über natives Video-Streaming und neue Video-Formate bis hin zur geplanten Blog/Longform-Integration.

Als Indikator für die weitere Entwicklung werden die USA gesehen. Dort sinkt die Zeit, die am Desktop/Laptop verbracht wird im Vergleich zur Zeit mit mobilen Geräten deutlich ab. Und auch die Verteilung zwischen mobilem Web-Zugriff und mobilem App-Zugriff sollte jedem zu denken geben, der monentan ein App-Projekt plant:

 

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Im Vergleich der Entwicklungen zeigt sich, dass sowohl die Apps, aber auch der direkte Zugriff auf das Netz durch mobile Geräte die Zukunft bedeuten. (Quelle/Copyright: www.fipp.com)

 

Auf welche Indikatoren man auch schaut – die Entwicklung lässt nur einen Schluß zu: “Mobile First” sollte das wesentliche Design-Prinzip für alle Services und Produkte sein, die für die nächsten Jahre auf Online-Kanälen aufgesetzt werden.

 

Sie wollen mehr wissen?

Am 16.09.2015 findet bei der Akademie der Deutschen Medien wieder unser “Mobile Publishing Update”-Seminar statt, bei dem wir einen Überblick geben über aktuelle Marktzahlen, die Entwicklung der mobile Ökosysteme, erfolgreiche Produktformen und Produktmodelle im digitalen Markt, digitale Geschäftsmodelle für Content-Produkte und die Technologien zur Umsetzung. Infos und Anmeldung: hier auf den Seiten der Akademie der Deutschen Medien.

 

 

Veröffentlicht von

www.smart-digits.com

Meine Schwerpunkte sind die strategische Entwicklung von Unternehmen, die Gestaltung der passenden Geschäftsmodelle und die Kundenanalyse - das klingt nach trockenem Brot. Aber es kann sehr kreativ, anregend und erfüllend sein. Aus meiner Erfahrung als Produktmanager, Verlagsleiter und Geschäftsführer beim Carl Hanser Verlag und Haufe-Lexware kenne ich das Mediengeschäft und die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Mit Partnern entwickle ich Plattformen wie flipintu oder lectory und digitale Lernmethoden mit dem Goethe-Institut und verschiedenen Universitäten. Man muss etwas selber erfahren, um es auch vermitteln zu können. Nicht dass ich ein Fan von Steve Jobs wäre, aber seine legendäre Rede in Stanford ist klug und das Motto passt: Stay hungry. Stay foolish. Das Leben ist zu kurz, um es mit sinnlosen Meetings und Phrasen zu vergeuden.