Selfpublishing und kein Ende

Smashwords und sein Gründer Mark Coker waren immer schon für ihre gute Einschätzung der Entwicklung des Marktes bekannt. Er war einer der ersten Selfpublisher vor sechs Jahren und die Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass einiges aus den USA auch hier in Deutschland so stattfinden wird. In seinem neuesten Beitrag für 2014 hat er die Herausforderungen der Branche auf 14 Punkten zusammengefasst. Immerhin, im letzten Jahr waren es noch 21. Wir haben nochmal redigiert und ergänzt:

Der Markt

Die fetten Jahre mit hohen Wachstumsraten von über 100% sind vorbei. Die Konkurrenz ist stärker und vielfältiger und das Geld liegt nicht mehr auf der Straße. Ob man damit auch einen Umsatzeinbruch bei eBooks für 2014 sieht, wie Coker, sein dahingestellt, aber treffend ist sicher: die Preise für eBooks sinken, die Neugierigen haben ihre eBooks und der Wechsel von Print zu Digital verlangsamt sich, der Gesamtmarkt der Verlage wächst nicht und mehr Umsatz dürfte lediglich die eigeneVermarktung des eigenen Programms in anderen, wachsenden Ländern bringen.

Zugleich sieht Coker auch ein Wachstum an real gelesenen eBooks. Das bestätigen auch Zahlen im deutschsprachigen Markt.

Der Preis

Konnten die Selfpublisher in den letzten Jahren durch ihre aggressivere Preispolitik punkten und damit manchmal die Hälfte der Bestsellerliste bestücken, so haben die traditionellen Verlage 2013 nachgezogen. Mit Preisaktionen für Titel unter 4$ bewegen sie sich auf dünnem Eis, weil man natürlich den Kunden an günstige Produkte gewöhnt. Aber der Druck war wohl zu groß: 2,99$ und 3,99$ kosteten im Durchschnitt die Titel der Selfpublisher, was ca. vier mal so viel Umsatz bedeutete wie bei Titeln zum Preis von 7,99$, was wiederum nach Adam Riese Neid die Controller in New York auf den Plan rief.

Was aber, wenn die meisten Titel unter 4$ kosten? Dann werden andere Marketingmaßnahmen wichtiger. Unabhängig von der Preisbindung ist das auch ein Thema im deutschsprachigen Raum. Gewohnheiten ändern sich nicht von heute auf morgen. Aber dass oft kürzere Texte zu günstigeren Preisen eine Rolle spielen können, dass neben den Selfpublishern alle Zeitschriftenverlage eigene eBook-Reihen aufgesetzt haben zu günstigen Preisen, das wird den Markt prägen. Und die aktuellen Diskussionen und Studien über das optimale eBook-Pricing in den USA, dem UK und in Deutschland zeigen auch, dass im Markt noch Bewegung ist.

Die Autoren

Die Gefahr der Abwanderung der großen Autoren von klassischen Verlagen zu kleinen, unabhängigeren Plattformen wird steigen. Sinkenden Verkaufspreise, der Druck auf die Autorenhonorare (ca. 25% bei den klassischen Verlagen, bezogen auf eBooks, im Vergleich zu bis zu 70% bei anderen Plattformen und Selfpublishern) und die Abwanderungen ins digitale Lesen führen dazu. Sicher ist: Autoren haben eine größere Auswahl.

Eine wichtige Beobachtung machte Coker in 2013: Immer mehr Autoren sind bereit zu kooperieren mit anderen. Dazu braucht es keinen klassischen Herausgeber mehr, sondern nur die Vereinbarung der Autoren untereinander. Denn die Möglichkeiten der wechselseitigen Verweise sind vielfältig. Wichtig ist dabei der kontinuierliche Strom an Inhalten, um die Kunden zu erreichen und zu binden. Da ein Autor alleine das nicht bieten kann, haben ja Verlage diese Rolle übernommen, indem sie kontinuierlich Programm für Programm liefern, Frühjahr wie Herbst. Durch Kooperationen können Autoren durch die Verweise aufeinander diesen kontinuierlichen Strom an Inhalten liefern. Die Hauptaufgabe aller Autoren wird dabei sein, über eine eigene Plattform Bekanntheit zu ermöglichen und das Interesse an sich und seinen Werken zu wecken und stärken. Subskriptionsmodelle sind für Coker der Schlüssel. Hier sind die neuen Plattformen gefragt. Klar ist, dass sie ein Weg sind, um die Auffindbarkeit zu erhöhen.

Wie immer in stagnierenden Märkten werden sich die durchsetzen, die Qualität liefern. Vom Autor bis zum Betreuer des Autors, heißt er Verlag oder Selfpublishing-Plattform.

Wer den weltweiten Anstieg von Selfpublishing als Infografik auf einen Blick sucht, wird hier in der Studie von Bowker fündig: Nach dieser Analyse machen Selfpublisher 12% des gesamten digitalen Buchmarktes aus.

P.S. Und als ob wir es geahnt hätten, bestätigen Meldungen vom deutschen eBook-Markt auch diese Tendenzen.

Veröffentlicht von

www.smart-digits.com

Meine Schwerpunkte sind die strategische Entwicklung von Unternehmen, die Gestaltung der passenden Geschäftsmodelle und die Kundenanalyse - das klingt nach trockenem Brot. Aber es kann sehr kreativ, anregend und erfüllend sein. Aus meiner Erfahrung als Produktmanager, Verlagsleiter und Geschäftsführer beim Carl Hanser Verlag und Haufe-Lexware kenne ich das Mediengeschäft und die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Mit Partnern entwickle ich Plattformen wie flipintu oder lectory und digitale Lernmethoden mit dem Goethe-Institut und verschiedenen Universitäten. Man muss etwas selber erfahren, um es auch vermitteln zu können. Nicht dass ich ein Fan von Steve Jobs wäre, aber seine legendäre Rede in Stanford ist klug und das Motto passt: Stay hungry. Stay foolish. Das Leben ist zu kurz, um es mit sinnlosen Meetings und Phrasen zu vergeuden.