Tablet oder eReader? Amazon oder Apple? Und was macht Weltbild?

Pünktlich zur Buchmesse verleiht Amazon der Diskussion um das eBook neuen Schwung. War die Frage bisher häufig, ob die Zukunft  dem reinen Lesegerät gehören wird oder dem multifunktionalen Tablet, gibt Amazon jetzt selbst die Antwort. Dem eigenen Reader wird keine glorreiche Zukunft blühen, sonst würde man nicht mit einem Kampfpreis den Markt der Tablets erobern wollen.
Die nächsten Jahre erscheinen Amazon wohl im folgenden Licht:

  • Der Kunde wird von seinem Gerät aus auch ins Internet gehen und neben dem Lesen auch noch andere Angebote nutzen wollen. Vor allem Videos, Filme und Fernsehsendungen, Bücher und Zeitschriften, Musik und Spiele.
  • Das enhanced eBook, das multimediale eBook wird aufgrund seiner vielfältigen Möglichkeiten immer bedeutender. Die Plattform hierfür ist das Tablet und nicht der eReader. Zwar mag der reine Text in vielen Buchformen wie dem Roman ausreichen, aber daneben gibt es ja noch eine Vielzahl an Texten, denen eine multimediale Erweiterung gut täte. Angefangen bei Schulbüchern reicht das Spektrum bis zum Ratgeber und wissenschaftlichen Bibliotheken. Diesen Markt kann sich Amazon nicht entgehen lassen.
  • Die Kundendaten sind weiterhin von zentralem Wert und werden ausgebaut. Jetzt erhält der Kunde im Shop schon seinem Profil gemäß die entsprechenden Angebote und das Sortiment von Amazon wird den Kundenwünschen gemäß angepasst.

Amazon hat mit silk einen eigenen Browser entwickelt, über den der Kunde vom neuen Tablet “Kindle Fire” aus ins Internet kommt. Amazons “Server-Farmen” sind also der Filter, über den das WWW erreicht wird. Silk wird mit dem Argument verkauft, der Kunde erhalte somit schneller seine Daten. Das mag schon sein. Entscheidend für Amazon ist aber die Hoheit über die Kundendaten – und die Bewegungen im Netz können mit dem eigenen Browser silk verfolgt und registriert werden. Damit erhält der Kunde bei Amazon in Zukunft nicht nur Empfehlungen zu neuen Büchern und was andere Kunden gekauft haben, sondern auch, welche Websites er womöglich noch besuchen sollte und was für Videos er als nächstes ansehen könnte. Amazon dehnt also seinen Einflussbereich aus: Der Kunde wird nicht nur beim Shoppen im eigenen Geschäft beobachtet, sondern bei all seinen Bewegungen im Netz.
Wahrscheinlich wird das FBI in ein paar Jahre bei der Suche nach Terroristen oder Päderasten mit Amazon kooperieren müssen……

Sinnvoll erscheint hier der Weg, den Weltbild geht: Jetzt in die Elektronik investieren und alle verfügbaren Wege zum Kunden bedienen.  Man schafft die Infrastruktur, um dem Kunden die Produkte für Reader und Tablet zu bieten, und vermarktet parallel über den stationären Handel, den Katalog und das Internet. Dadurch hält man den Kundenkontakt und kann das eigene Angebot den sich ändernden Kundenwünschen anpassen.

Hier nähere Informationen zum Browser Amazon silk:
http://amazonsilk.wordpress.com/

http://www.youtube.com/watch?v=_u7F_56WhHk

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/buchmarkt-medienhaus-weltbild-legt-sich-mit-amazon-an-11483476.html

 

Veröffentlicht von

www.smart-digits.com

Meine Schwerpunkte sind die strategische Entwicklung von Unternehmen, die Gestaltung der passenden Geschäftsmodelle und die Kundenanalyse - das klingt nach trockenem Brot. Aber es kann sehr kreativ, anregend und erfüllend sein. Aus meiner Erfahrung als Produktmanager, Verlagsleiter und Geschäftsführer beim Carl Hanser Verlag und Haufe-Lexware kenne ich das Mediengeschäft und die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Mit Partnern entwickle ich Plattformen wie flipintu oder lectory und digitale Lernmethoden mit dem Goethe-Institut und verschiedenen Universitäten. Man muss etwas selber erfahren, um es auch vermitteln zu können. Nicht dass ich ein Fan von Steve Jobs wäre, aber seine legendäre Rede in Stanford ist klug und das Motto passt: Stay hungry. Stay foolish. Das Leben ist zu kurz, um es mit sinnlosen Meetings und Phrasen zu vergeuden.