Warum zahlt Amazon bei jedem Kindle 5 $ drauf?

Eine Untersuchung von MainStreet weist nach, dass der neue Kindle 84.-$ in der Produktion kostet. Bei einem Verkaufspreis von 79.-$ zahlt Amazon also 5 $ drauf. Beim Tablet Kindle Fire dürften es nach Ansicht der Analysten sogar 10 $ sein. Warum?

Wie an anderer Stelle dargestellt liegt der Schwerpunkt der Strategie auf dem Aufbau der Kundenbeziehungen. (Siehe unseren Beitrag, in dem wir auf den Browser silk und das Sammeln von Daten bei Amazon eingehen unter http://https://www.smart-digits.com/2011/10/tablet-oder-ereader-amazon-oder-apple-und-was-macht-weltbild/).
Es ist wie die Investition in neue Läden in 1A-Lage. Mit dem Unterschied, dass man dem Kunden den Besuch in anderen Läden wenig schmackhaft macht. “Steckerplätze besetzen” heißt das in der Softwarebranche und es folgt dem simplen Geschäftsmodelle des Abonnements: Ich biete dem Kunden den einfachsten, den unkompliziertesten Weg zu seinen Produkten, und verdiene dann an den Nachlieferungen. Wer jetzt die meisten Kunden an sich binden kann, dem blühen in der Folge Einnahmen durch Produktverkäufe und Werbung. Und der shop bei Amazon funktioniert. Die Prozesse für die Transaktion von Ware und Bezahlung funktionieren. Die Kundendaten werden regelmäßig aktualisiert und erweitert. Warum soll ich als Kunde also zu einem anderen Anbieter wechseln, wenn ich hier (fast) alles erhalte? Warum meine Kundendaten noch an anderer Stelle preisgeben?
So wird auch verständlich, warum Bezos das Flatrateangebot Prime forciert. Einmal Kunde, immer Kunde.
Vor allem die Möglichkeiten der Werbeeinblendungen bei günstigen bzw. kostenlosen Contentangeboten dürften das Businessmodell noch einmal geschärft haben. Womit auch deutlich wird, wie die Entwicklung in den USA gesehen wird: Content wird sich in Zusammenhang mit Werbeerlösen rechnen. Ähnlich wie beim Fernsehen.

Von anderer Seite her versucht Amazon durch jetzt gestreute Meldungen wie der über den “Millionenerfolg” der eBook-Bestseller von Amanda Hooking auch die Produzenten von Content für sich zu gewinnen mit der Botschaft: Schreibt eure Bücher bei Amazon und ihr erfüllt euch den amerikanischen Traum vom armen Poeten zum Millionär.

Und dass Kindle technologisch weiterentwickelt werden soll, belegt Amazons kürzlicher Kauf der Firma Yap, die auf Spracherkennung spezialisiert ist. So wie bei Apples iPhone 4S und dem Spracherkennungssystem Siri wird es diese Möglichkeiten auch bei Amazons Geräten geben. Vielleicht ist es auch mehr als nur ein Gerücht, dass auch ein Smart Phone geplant ist.

Und das erklärt, warum auch Barnes & Noble hektisch sein Tablet Nook noch vor Weihnachten anbietet. Und Kobo ein werbefinanziertes ReaderAngebot unter 100 $ auf den Markt bringt. Um ja nicht zu viel an Markt zu verlieren.

P.S.
Erste Tests des Kindle Fire fielen nicht gerade begeistert aus:. Der Weg vom Shopanbieter zum Technologiekonzern ist steinig. Die Frage wird sein, ob die Kunden für den günstigen Preis und das einfache Einkaufen die Nachteile gegenüber den Benchmarks für Tablets im Markt in Kauf nehmen.
http://www.wired.com/reviews/2011/11/kindle-fire/
http://gizmodo.com/5858779/kindle-fire-review-the-ipad-finally-has-serious-competition
http://mashable.com/2011/11/14/amazon-kindle-fire-review/

Hier zur Studie von MainStreet:
http://www.mainstreet.com/article/smart-spending/technology/exclusive-amazon-s-79-kindle-touch-costs-84-make

Hier die Meldung zum Kauf von Yap:
http://paidcontent.org/article/419-amazon-buys-voice-to-text-startup-yap.-what-do-you-think-of-that-siri/

Und hier eine kluge Einschätzung von Martin Lawrence auf mobile zeitgeist mit einem Hinweis auf die Restriktionen des Fire.

Veröffentlicht von

www.smart-digits.com

Meine Schwerpunkte sind die strategische Entwicklung von Unternehmen, die Gestaltung der passenden Geschäftsmodelle und die Kundenanalyse - das klingt nach trockenem Brot. Aber es kann sehr kreativ, anregend und erfüllend sein. Aus meiner Erfahrung als Produktmanager, Verlagsleiter und Geschäftsführer beim Carl Hanser Verlag und Haufe-Lexware kenne ich das Mediengeschäft und die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Mit Partnern entwickle ich Plattformen wie flipintu oder lectory und digitale Lernmethoden mit dem Goethe-Institut und verschiedenen Universitäten. Man muss etwas selber erfahren, um es auch vermitteln zu können. Nicht dass ich ein Fan von Steve Jobs wäre, aber seine legendäre Rede in Stanford ist klug und das Motto passt: Stay hungry. Stay foolish. Das Leben ist zu kurz, um es mit sinnlosen Meetings und Phrasen zu vergeuden.