Data Summit 2017 – was Daten verändern

Auf dem Data Summit letzte Woche trafen sich im zweiten Jahr in Folge die Experten der Buchbranche. Dass Daten das Öl im Getriebe der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts sind, war dort allen klar. Auch, dass das schöne Schlagwort “Big Data” reduziert werden muss auf “smart data”. Man muss in den Maschinenraum hinabsteigen, um den Wert der Daten zu heben. Und zugleich braucht es Weitblick, um mit den richtigen Daten auch die relevanten Erkenntnisse zu erhalten und die Zukunft zu sichern. Hier eine persönliche Zusammenfassung wichtiger Aussagen.

Vergesst den Gegensatz Offline-Online

Was tun, wenn der Durchschnitt 150 mal am Tag auf sein Smartphone schaut, ca. 64% aller Verkäufe digital beeinflusst sind und das Volumen der Ladenverkäufe steigt, aber die Anzahl der Käufer sinkt? Ropo (research online, purchase offline), Multichannel und mobile first lauten hier die Schlagworte. Christin Krooss von Google erinnert die Teilnehmer daran, dass es kein “entweder-oder” ist zwischen der Online- und Offlinewelt, sondern ein “sowohl-als auch”. Die Kunden sind in allen Welten präsent und man kann mit vielen kleinen Schritten auf alle Fälle die Sichtbarkeit erhöhen. Mit Google My Business lässt sich die Sichtbarkeit erhöhen: Die lokale Präsenz ist eine Nische, die Amazon so schnell nicht besetzen kann. Und besondere Services, die diese lokale Nähe fördern, sind Trumpf. Für Buchhandlungen sind das Veranstaltungen, Informationen für die Nachbarschaft oder eben eine Atmosphäre zum Wohlfühlen. Service heißt, dem Kunden auch online zu sagen, was auf Lager ist und ihm auch im Laden den Zugriff zur Onlinewelt zu erleichtern. (Hier geht es zu einem Bericht über Einkaufstrends der Generation Z.)

It has to be a match!

Das eine ist das eigene Produkt und die richtige Positionierung. Das andere ist die richtige Ansprache der passenden Zielgruppen im Netz. Erst wenn die beiden zusammenfinden, wird es spannend. Rolf Küppers von microm zeigt, wie Zielgruppen im Netz segmentiert werden können. Und wie man durch einfache Tests dann herausfindet, wie man die für das eigene Produkt passenden Kunden findet. Wenn die Metadaten zum Produkt mit denen zur Zielgruppe zusammenpassen, dann ist das schon die halbe Miete. Themenbojen helfen dabei, die richtigen Keywordcluster zu finden. Und die richtigen Datenbanken offenbaren Präferenzen, so dass das Risiko bei Marketingkampagnen minimiert werden kann.

You never walk alone

Die IG Produktmetadaten hat stellvertretend in den Personen von Marion Seelig (Ullstein), Tobias Streitferdt (Holtzbrinck), Dr. Detlef Bauer (libri), Martin Lüning (mvb) und Meike Smerecnik (Thalia) gezeigt, dass nur das Zusammenspiel aller auch allen hilft. Wenn nur Holtzbrinck seine Metadaten pflegt, dann mag das für die Verlage dort hilfreich sein. Aber diese profitieren mehr, wenn auch Libri, Thalia und Co. “gute Daten” haben – und wenn alle Verlage ihre Daten nach den gemeinsamen Standards richtig pflegen. Selten wurde so deutlich, dass der Schulterschluss von Verlagen, Zwischenhändlern und Händlern so wichtig ist und das einzigartige Verbandskonstrukt Börsenverein Sinn macht. Wenn Daten das Öl der heutigen Wirtschaft sind, profitieren alle von einer guten Qualität, denn Reibungen im Getriebe lassen den ganzen Motor stottern. Und das heißt, dass die Datenqualität der gesamten Branche diese auch voranbringen kann.

Auf dem Data Summit tauschten sich auch dieses Jahr Experten zum Thema Metadaten und Marketing, Semantische Analyse und KI aus. Der Kongress hat sich mittlerweile zum Branchentreff für eines der wichtigsten Themen etabliert: Wie nutzen wir die Daten rund um die Bücher, um die Sichtbarkeit zu erhöhen?

Der Prozess: ohne Veränderung geht nix!

David Best (Kirchner + Robrecht) und Sandra Schüssel (mvb) zeigten auf, dass eine digitale Vorschau ein hohes Potenzial hat. Aber dann muss man eben auch ein paar Prozesse anpassen. Von alleine geht das nicht und die Erfahrungen der letzten Jahre haben immer wieder gezeigt, dass ein neues Werkzeug nur so gut ist wie sein Gebrauch. Da aber der ganze Prozess der Erstellung von Vorschauen immer mehr bedeutet als die reine Vermittlung von Informationen (Lektoren dürfen sich zeigen, Vertreter kritisieren, Termine werden wie zu Festtagen lange vorher bestimmt – kurzum, Rituale sind dazu da, unserem Leben einen Rhythmus zu verleihen), so ist eine Änderung dieser Gewohnheiten alles andere als leicht. Das wurde auch in der Roundtable-Session zum Thema “Change” besonders gut deutlich. Ein Metadatenmanager allein macht noch keinen Sommer (hier geht es zu einem Beitrag von Tobias Streitferdt zum Thema Organisation der Metadaten im Verlag).

Künstliche Intelligenz ist eine Kunst für sich

Zum Ausblick präsentierte Holger Volland eine ganze Reihe spannender Beispiele für die Vermählung von Kunst und KI. Das Kunstwerk wandert aus dem Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit ins Zeitalter seiner künstlichen Schöpfer. Der Personenkult um Mozart, Bach und Picasso wird sich ändern, so wie es Luciano Floridi in seiner 4. Revolution beschreibt. Denn was wird den Menschen noch ausmachen, wenn sein Geist auch künstlich gezüchtet werden kann?
Echtzeit! Das war denn auch das ausklingende Motto von Stefan Welcker von Expert Systems, der daran gemahnte, dass nur ca. 5% des Datenbestandes auch über Google erreichbar sind. Und dass die Kür darin liegt, die eigenen Daten zu heben und den Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen. Denn nur wer sich der vielen digitalen Helferlein richtig zu bedienen weiß, wird auch die Chancen nutzen können.

Nächstes Jahr geht es am 28.11.2018 in die nächste Runde. Wir freuen uns auf spannende Gespräche.

Veröffentlicht von

www.smart-digits.com

Meine Schwerpunkte sind die strategische Entwicklung von Unternehmen, die Gestaltung der passenden Geschäftsmodelle und die Kundenanalyse - das klingt nach trockenem Brot. Aber es kann sehr kreativ, anregend und erfüllend sein. Aus meiner Erfahrung als Produktmanager, Verlagsleiter und Geschäftsführer beim Carl Hanser Verlag und Haufe-Lexware kenne ich das Mediengeschäft und die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Mit Partnern entwickle ich Plattformen wie flipintu oder lectory und digitale Lernmethoden mit dem Goethe-Institut und verschiedenen Universitäten. Man muss etwas selber erfahren, um es auch vermitteln zu können. Nicht dass ich ein Fan von Steve Jobs wäre, aber seine legendäre Rede in Stanford ist klug und das Motto passt: Stay hungry. Stay foolish. Das Leben ist zu kurz, um es mit sinnlosen Meetings und Phrasen zu vergeuden.

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