Medienkompetenz, lesen und schreiben – was soll künftig gelehrt werden?

Die Hamburger Erklärung fordert zu Recht eine bessere Leseförderung von Kindern, auch wenn man wissenschaftlich nicht genau belegen kann, wie sich die Lese- und Schreibkompetenz entwickelt hat. Denn die digitalen Medien bieten uns ja Abkürzungen und Dienste an, die verführerisch einfach alle Aufgaben von uns nehmen – auch das Lesen und Schreiben. Schnell bilden sich Lager rund um die Verfechter des digitalen Klassenzimmers (“wir müssen die Kinder auf die Welt vorbereiten und Medienkompetenz lehren”) und rund um die Bewahrer (“Grundwissen bleibt Grundwissen und Lesen, Schreiben und Rechnen gehören dazu” – von den populistischen Vorurteilen “digitaler Demenz” gar nicht zu reden).  Diese Debatte darf nicht im Entweder-oder enden, sondern sollte ein Sowohl-als-auch zum Ziel haben. Hier ein Vorschlag.

Ersetzen digitale Medien das Lesen und Schreiben?

Lesen ist eine der wichtigsten Kulturtechniken. Wer lesen kann, ist im Vorteil. Das war schon immer so, seit der Entstehung von Hochkulturen. Die besondere Rolle der Schrift in der ägyptischen Kultur als Zeichen von Sprache und eines jenseitigen Raums gestaltete Sinn bis hin zur Prägung der Architektur (empfehlenswert hierzu: Jan Assmann “Ägypten. Eine Sinngeschichte”). Und mag wohl heute nur noch an wenigen Orten die “Heilige Schrift” als Maßstab gelten, so sind wir doch geprägt bis in die Fingerspitzen der Aufklärung von der Vermittlung von Wissen durch Schreiben und Lesen.

In einer Werbekampagne in diesem Jahr verspricht Google mit seinem Assistenten die Lösung fast aller Aufgaben (so wie auch Alexa und Watson, Cortana und Siri). Und die Frage von Schülern steht im Raum, warum sie etwas lernen sollen, was von digitalen Helfern besser erledigt werden kann. Die einfache Antwort lautet, weil es auch einen Stromausfall geben kann. Aber wir haben uns auch daran gewöhnt, nicht mehr mit der Hand zu waschen oder kilometerweit zur Schule zu gehen, den Taschenrechner zu benutzen und den Einkauf im Kühlschrank zu lagern. Deshalb müssen wir genauer hinsehen bei unserer Antwort. Denn wir wollen die nächsten Generationen befähigen, für das Überleben aller zu sorgen.

Jetzt suggerieren uns Alexa, Siri oder Cortana, man brauche ihnen nur noch Befehle zurufen, und schon geschehe, was geschehen solle. Dabei muss man gar nicht mehr lesen und schreiben können. Ein einfacher Befehl reicht. Und eine verbesserte Suchfunktion (Achtung, hierzu braucht es natürlich möglichst alle Nutzerdaten) führe uns zu einer eindeutigen Antwort auf unsere Frage, sei es über Wikipedia, Amazon oder auf den Seiten irgendeines Influencers. Das ist natürlich “irreführende Werbung”, denn diese Dienste führen uns nicht zur besten Antwort, sondern zur “besten Antwort im Sinne der Firma, die diesen Dienst ermöglicht”. Denn Google und Amazon, Apple und IBM sind börsennotierte Unternehmen und werden alles tun müssen, um ihr Überleben zu sichern. Da die Erstellung und Beschaffung von Informationen aufwändig ist, muss irgendjemand dafür bezahlen. Das macht zur Zeit der Kunde mit seinen Daten (siehe hierzu z.B. eine der zahlreichen kritischen Studien zur Sammlung von Daten ohne Nutzererlaubnis durch Google oder Facebook und Amazon). Und es gehört zum Treppenwitz der Geschichte, dass Pioniere des Internets sich heute für die jetzige Situation entschuldigen, weil sie dieses Tauschverhältnis von Information gegen Daten als Sündenfall des Internets betrachten (siehe hierzu die interessante Reportage des New York Magazines). Denn sie haben erkannt, dass die Masse der Nutzer die komplexen Tauschverhältnisse nicht versteht beim Erstellen von Informationen und dass Medienkompetenz ein rares Gut ist, das gelernt werden muss.

Die Antwort auf die oben gestellte Frage lautet: Nein. Digitale Medien ersetzen nicht die Notwendigkeit, lesen und schreiben zu lernen. Im Gegenteil: Es wird durch die digitalen Medien sogar mehr gelesen als je zuvor. Nur anders, und anderes. Also ist der im Vorteil, der lesen und schreiben kann. Denn dass es Werkzeuge gibt, die das für mich machen, heißt noch nicht, dass diese Werkzeuge überall zum Einsatz kommen. Es wird auf Dauer viel mehr Situationen geben, in denen ich lesen und schreiben muss als Situationen, in denen das ein Werkzeug für mich macht. (Und wer immer noch glaubt, diese “digital natives” würden ihre Zeit nur noch mit “binge watching” vertreiben und verdummen, dem sei beispielhaft dieser Text von Melissa Chu über Lesetechniken im digitalen Zeitalter empfohlen, der die Disziplin und das Engagement zeigen, mit dem nach wie vor Wissen aufgesaugt wird.)
Und: Die Werkzeuge, die das Lesen und Schreiben abnehmen, können nur von Menschen gesteuert werden, die lesen und schreiben können.
Und: Digitale Helfer werden vieles vereinfachen, aber weder jetzt sofort, noch in fünf Jahren. Aber wir müssen die Veränderungen jetzt begreifen, um sie steuern zu können.
Dabei dürfen wir einen üblichen Fehler vermeiden, das Neue überzubewerten und das Alte gering zu schätzen. Oder, um es in den Worten von Bill Gate auszudrücken:

We always overestimate the change that will occur in the next two years and underestimate the change that will occur in the next ten (Bill Gates, The Road Ahead).

Dabei geht es immer auch um die Selbsteinschätzung. Auch hier hilft Bill Gates Variante des Spruches:

Most people overestimate what they can do in one year and underestimate what they can do in ten years.

Auf unser Thema bezogen heißt das: Die digitalen Werkzeuge wie Spracherkennung und automatisierte Suche nach passenden Inhalten werden in den nächsten zehn Jahren unsere Gesellschaft verändern. Aber dies sollte uns nicht daran hindern, jetzt das Lesen nach wie vor in den Vordergrund der Bildung zu stellen. Denn wer nicht lesen kann, der ist den Algorithmen weit mehr ausgeliefert als er will.

eKidz.eu schickt sich an, Kindern das Lesen leichter beizubringen. Dazu gibt es eigene Lesetexte, die aufeinander aufbauen und von Autoren extra geschrieben wurden. Im Unterricht kann ein Lehrer nur wenigen Schülern die Möglichkeiten geben, ihre Texte vorzulesen. Mit dieser App können die Schüler individuell zu Hause lernen und werden dabei begleitet. Im Unterschied zu bestehenden Angeboten erhalten die Schüler dabei eine Lesehilfe, die mit ihnen den Text im geeigneten Rhythmus liest. Text für Text baut sich somit die Kompetenz auf. Vor allem im Fremdsprachenunterricht und der Förderung von Kindern, denen das Lesen lernen nicht so leicht fällt, bieten sich hier Anwendungsfelder an. Und denkt man an die zunehmende Befehlseingabe über Dienste wie Alexa, Google Home oder Siri, dann wird es wichtig sein, Kinder auch in diesem Umfeld klug zu begleiten und nicht alleine zu lassen.

The medium is the message

Mit McLuhan gesprochen gab es noch nie eine Unabhängigkeit der Kommunikation von seinen Trägermedien. Schreiber waren im alten Ägypten so wie die Mönche des Mittelalters eine geschulte Minderheit, die prägend gewirkt hat. Die Stifte, die Auswahl des Papiers und die Schreibmaschinen haben dabei die Informationsverarbeitung und -verbreitung genauso beeinflusst wie die Zensur und der Volksempfänger in der Nazidiktatur. Deshalb wäre es falsch, den großen Firmen die Schuld an der Wissensvermittlung zu geben, denn immerhin haben sie Technologien geschaffen, die staatliche Apparate nie hinbekommen haben. Es gibt keine objektiven Medien. Die Schiefertafel wirkt nur so, weil wir uns als Kinder in jeder Schule daran gewöhnt und sie als Schicksal akzeptiert haben. Und wenn wir etwas behalten haben, dann weil ein guter Pädagoge damit umzugehen wusste. Und das gilt heute für das Tablet und Smartphone genauso.

Dass unsere Werkzeuge die Art zu lesen und zu schreiben beeinflussen ist offensichtlich. Wir blicken staunend auf die Hieroglyphen und können uns nicht vorstellen, heute auf diese Weise kommunizieren zu müssen. Das erscheint uns zu kompliziert. Wir wollen schnell verstehen, wir hinterlassen gesprochene Nachrichten, die in Texte und emojis umgewandelt werden können, wir haben digitale Dienste für Übersetzungen, Zusammenfassungen und Bewertungen der Inhalte und Absender. Wir leben im Datenfluss.
Die Frage ist, was machen die neuen Medien besser und was schlechter als die bisherigen? Das sind natürlich die üblichen bekannten Funktionen, die wir alle schon im Schlaf herunterbeten können. Hier nochmal zur Erinnerung eine Übersicht, warum wir von einer digitalen Wende sprechen und warum wir andere Dinge lehren müssen als bisher.

Digitale Angebote haben grundsätzliche Veränderungen in den Medien bewirkt. Dies muss bei der künftigen Vermittlung von Wissen an Schulen bedacht werden. Die Tabelle zeigt, dass nach wie vor die Grundlagen der jeweiligen Formate die Voraussetzung sind für eine gute Lehre. Das heißt, dass man lesen, schreiben, sprechen können und wissen muss, wie man Texte erstellt und aufnimmt. Man erkennt aber auch, dass die Kenntnis von Algorithmen zur Bewertung der Trefferlisten oder der Mechanismen bei der Verbreitung von Botschaften im Netz ebenso wichtig sind. Da der Tag nach wie vor nur 24 Stunden hat, muss man Schwerpunkte setzen. Und das heißt, dass man aus den Lehrplänen einige vertiefende Lehrstunden streichen werden muss.

Die neuen Werkzeuge verändern unsere Kommunikation.  Und die einen bedrückt es, die anderen fühlen sich darin wohl. Warum?

Lesen und Schreiben hat vor allem zwei Funktionen: das Miteinander ermöglichen und Bedeutung und Sinn nachspüren

Wenn man sich diese zwei wesentlichen Funktionen vor Augen hält, wird deutlich, dass man den jeweiligen Sinn und Zweck im Blick haben muss, wenn man über Lehrpläne nachdenkt. Es wäre fahrlässig, jungen Menschen die digitalen Medien vorzuenthalten, denn dann lernen sie nicht, wie sich die Mehrheit der Erwachsenen verständigt. Kleinen Kindern hat man nie per se verboten, ein Telefon zu nutzen. Sie haben es mit der Zeit gelernt, mit jemandem zu sprechen, den man nicht sieht. Aber nie war dieser Prozess mit denselben Ängsten verbunden, wie sie jetzt der Gebrauch der sozialen Netzwerke und Smartphones begleitet. Ein Grund ist, weil das Telefon nur einen geringen Teil der Zeit beansprucht hat, während Smartphones sehr häufig im Einsatz sind. Und hier kommt die zweite Bedeutung von Medien ins Spiel: Medien sollen sinnstiftend wirken. Sie sollen dem Menschen helfen, sich zu erkennen in seiner Lebensführung. Medien sind Mittel zur Reflektion. Und hier wird´s spannend.
Denn ein Vorwurf lautet ja, die Reflektion werde abhanden kommen, weil die Grundlagen nicht mehr gewußt würden und weil zu viel Zeit für die “falsche” Art der Kommunikation aufgebraucht würde. Und hierbei werden oft Dinge miteinander vermischt, weil Lesen nicht gleichbedeutend ist mit Sinnsuche oder der Reflektion.

Einer Jugendlichen, die in Fantasybüchern ertrinkt und die meiste Freizeit beim Lesen verbringt, könnte man durchaus mit guten Argumenten raten, doch mal ein wenig Sport zu machen und sich nicht von ihren Freundinnen abzuschotten. Ähnliches gälte für einen Studierenden, der ein Jahr lang in Kant versinkt und wenig sozial verträglich andere zurechtstutzt in Gesprächen ob ihrer dümmlichen Logik. Das Lesen von Büchern ist hier nicht per se ein Wert. Sich die Zeit für Reflektion zu nehmen aber schon.

WriteReader ist ein dänisches start-up, das Lehrer beim Sprachunterricht unterstützt. Die Lehrer haben ein eigenes Dashboard, in dem sie Unterstützung erhalten, andere Vorlagen herunterladen können und ihre eigenen Werke bearbeiten und hochladen können. Die Kooperation mit Sesamstraße liefert ein Beispiel für Content, der schon zur Verfügung gestellt wird. Noch wichtiger ist jedoch, dass die Schüler ihre eigenen Arbeiten ebenfalls hochladen und anderen zeigen können. Es ist ihr erstes, selber geschriebenes Buch. Der Lehrer kann schnell ein eigenes Buch anlegen, so wie die Schüler auch. Dabei kann er eigene Aufnahmen verwenden oder aus vorgegebenen Beispielen wählen. Die Schüler können in dem vom Lehrer vorgegebenen Buch die Wörter zu den Bildern so nachschreiben auf der Tastatur, wie sie denken. Die kleine Eule lernt das Schreiben durch ein “Nachtippen” der Bilder und des Klangs. Sie darf dabei Fehler machen und die große Eule erklärt ihr dann, wie die richtige Schreibweise ist.

Der Vorwurf lautet, man nehme sich nicht mehr die Zeit zur Reflektion, weil alles nur noch schnell und unreflektiert ginge. Das ist so nicht richtig. Wir beobachten eine Beschleunigung der Kommunikation, des Austauschs mit anderen. Dieses Tempo, bedingt durch die Möglichkeiten der Medien selbst, werden wir nicht mehr bremsen können. Die Eisenbahn, das Auto, das Telefon, das Flugzeug… sie alle haben uns in derselben Weise zu mehr Schnelligkeit erzogen wie die Speicherkapazität auf unseren Smartphones und die potenzielle Verfügbarkeit von Millionen von Ansprechpartnern im Netz. Wir nehmen uns eben nicht mehr die Zeit, einen Brief zu schreiben und dann mindestens mehrere Tage auf eine Antwort zu warten. Und wenn wir heute einen Brief schreiben, so hat er heute eine andere Bedeutung, weil er im Vergleich zur schnellen eMail oder dem Chat einen besonderen Aufwand dokumentiert.
Aber so wie wir an entlegene Urlaubsorte jetten, um dort zu meditieren, werden wir auch in Sekundenschnelle auf WhatsApp aktiv, um wenig später beim Brettspiel zu chillen. Die Gegensätze werden häufiger und sind für die spürbar, die in beiden Welten leben.

Wir können die Jugend nicht fernhalten von Kommunikationsformen, die die globale Welt prägen. Das wäre als ob man sie jahrelang im Kloster bei Buch und Stift erziehen wolle zur späteren Beherrschung von Softwareprogrammen, die eigenständig viel schneller lesen und schreiben können als sie selbst und in Interaktion geübt sind.
Aber wir haben auch die Aufgabe, die verschiedensten Formen der Kommunikation begreifbar und erfahrbar zu machen. Das heißt, dass es durchaus Sinn machen kann, das Handy in der Schule mal zu verbieten (z.B. für Skifreizeiten, Konzerte, Theaterproben …) und mal zu nutzen (z.B. für das gemeinsame Kommentieren von Texten, den Vergleich von Trefferlisten oder die unterschiedlichen Darstellungsformen von Liebe …). Der Vergleich der Medien führt zur Reflektion und diese zum richtigen Gebrauch der Medien.

Wie soll künftig das Lesen und Schreiben gelehrt werden?

Und jetzt zur Gretchenfrage: Wie sollen die Schüler künftig lernen? Denn man kann das Lesen und Schreiben ja mit und ohne Softwareunterstützung lernen. Parvin Sadigh von der Zeit verweist auf den Faktencheck des Mercator-Instituts von Simone Jambor-Fahlen und deren Ergebnisse aus wissenschaftlicher Sicht:

  • Die Lese- und Schreibfähigkeit hängt wesentlich vom Pädagogen ab und weniger von der Methode. Individuelle Unterstützung ist wichtig.
  • Es gibt streng genommen keine wissenschaftliche Beweise, weil keine der Methoden in Reinform vorkommt.
  • Individuelle Unterstützung heißt zunächst, den Schülern den Wert zu vermitteln und sie in ihren Fragen und Ängsten und Wünschen ernsthaft zu begleiten.

Das deckt sich mit allen bisherigen Erfahrungen im Schulversuch 2020: “Lieber ein guter Pädagoge mit egal welchem analogen oder digitalen Ansatz als ein schlechter, der gerade die angesagte oder verordnete Sau durchs Dorf treibt.” Zudem es verständlicherweise keine Langzeitstudien geben kann zu modernen, rein digitalen Methoden.

Wie schwierig es ist, hier wissenschaftlich exakt zu sein und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, zeigt beispielhaft der Blick auf eine Studie zu den Vorteilen von handschriftlichen Notizen im Vergleich zu Notizen am Laptop. Pam A. Mueller und Daniel M. Oppenheimer kommen in ihrer Studie zum Schluss, dass es sehr wohl Unterschiede in der Aufnahme von Wissen gibt, wenn man Studierende vergleicht, die bei Vorlesungen am Laptop mitschreiben bzw. mit der Hand Notizen machen. Bei reinen Wissensfragen kann das schnellere Mitschreiben Vorteile bringen, bei konzeptionellen Fragen kommt es auf die Fähigkeit an, Inhalte in einen neuen Kontext zu stellen. Und hier ist die handschriftliche Notiz von Vorteil. Denn der Stift ist langsamer (außer man kann Steno) und muss sich schon beim Schreiben auf die Zusammenfassung konzentrieren.
Das heißt, dass es auf das Ziel ankommt und den richtigen Einsatz des Mediums für das jeweilige Ziel. (Siehe hierzu z.B. die Methodenübersicht der Initiative #lesen.bayern zur Leseförderung.)
Und das kann man nur lernen, wenn man möglichst viele Methoden gelehrt bekommt und möglichst selber ausprobieren kann.
Und das heißt, dass es darauf ankommt, die Reflektion zu fördern, um das Ziel bestimmen zu können und dem folgend das richtige Medium auszuwählen.
Das nennt man Medienkompetenz.

 

Ein Zwischenfazit

  1. Medienkompetenz schulen heißt, dass wir neue Themen und Stoffe vermitteln müssen (siehe die Tabelle oben). Das geht nur, wenn man diese Zeit an anderer Stelle einspart.
  2. Lesen und schreiben sind Grundlagen. Der Kanon für diese Grundlagen wird aber kleiner sein müssen als vorher (zur Erinnerung siehe Punkt 1 – irgendwo müssen wir die Zeit reinholen). Nicht alle Romane der letzten 500 Jahre und nicht alle Formen der Handschrift müssen gelehrt werden.
  3. Die eigene Erstellung von Medien wird dabei eine große Rolle spielen. Selber machen ist immer besser als nur zuhören. Auch das kostet Zeit und kann nur an konkreten Beispielen erfolgen. Aber es lohnt sich.
  4. Konkret heißt das, dass künftig weniger “Stoff” auf den Lehrplan kommen wird und dafür mehr “selber machen”. Dies muss begleitet werden durch die Reflektion der jeweiligen Handlung und Methode. Das nennt man dann “Kompetenzerwerb” (siehe unsere Übersicht zu den verschiedenen Ansätzen bis zu den sechs K der Kultusministerkonferenz).
  5. Die Kompetenz zu prüfen und zu begleiten ist aber schwieriger als Informationen abzufragen. Es bedeutet eine Aufwertung des Pädagogen als Begleiter und Coach.
  6. Medienkompetenz muss vermittelt werden im Sinne von: Ich weiß, welches Medium am besten für welche Botschaft geeignet ist.

 

 

Veröffentlicht von

www.smart-digits.com

Meine Schwerpunkte sind die strategische Entwicklung von Unternehmen, die Gestaltung der passenden Geschäftsmodelle und die Kundenanalyse - das klingt nach trockenem Brot. Aber es kann sehr kreativ, anregend und erfüllend sein. Aus meiner Erfahrung als Produktmanager, Verlagsleiter und Geschäftsführer beim Carl Hanser Verlag und Haufe-Lexware kenne ich das Mediengeschäft und die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Mit Partnern entwickle ich Plattformen wie flipintu oder lectory und digitale Lernmethoden mit dem Goethe-Institut und verschiedenen Universitäten. Man muss etwas selber erfahren, um es auch vermitteln zu können. Nicht dass ich ein Fan von Steve Jobs wäre, aber seine legendäre Rede in Stanford ist klug und das Motto passt: Stay hungry. Stay foolish. Das Leben ist zu kurz, um es mit sinnlosen Meetings und Phrasen zu vergeuden.