Abomodelle für Bücher

Jetzt, wo der Buchclub aufgibt und Weltbild neu geordnet wird, jetzt werden die Flatrate für Bücher plötzlich wieder heiß gehandelt. Laut einer Studie sind die meisten Verlage in den USA überzeugt, dass dieses Geschäft für sie immer bedeutender wird (in unserem letzten Updaten hatten wir die Links hierzu zusammengestellt.) So führte in der Hitze des Gefechts allein die Nachricht über den Kauf von BookLamp durch Apple schon dazu, auch hier gleich ein Abomodell für Bücher  zu vermuten. Auf den ersten Blick wirkt das voreilig. Aber nur auf den ersten Blick.

Ein Buchabo muss seinem Kunden eine passende Empfehlung geben, was er als nächstes lesen soll.

Bei Millionen von Titeln braucht es dazu Algorithmen und Menschen.

Beide sollten klug sein.

Denn es ist natürlich richtig, dass zu einem guten Abomodell auch eine gute Empfehlung für das nächste Buch gehört. Das haben netflix und spotify bewiesen. Und hier sind wir bei dem angelangt, was die Buchbranche dann doch so umtreibt wie kaum ein Thema: Wer empfiehlt denn das richtige, passende Buch? Ist es die vertrauensvolle Buchhändlerin in der ach so liebgewonnenen Buchhandlung um die Ecke, ist es der Tipp meines Freundes Franz oder doch ein raffinierter Algorithmus, der wieder einmal beweist, dass die Menschen so unterschiedlich nicht sind und einer einfachen Typologisierung folgen.

Es scheint also, dass nur der Aboanbieter – und davon gibt es mittlerweile einige – gute Chancen hat, der auch die besten Empfehlungen aussprechen kann. Auch das hängt vom jeweiligen Markt und der Positionierung des Anbieters ab, denn für Fachinformationen gelten andere Regeln als im Publikumsmarkt. Skoobe und readfy sehen sich gut gerüstet, Oyster und blloon setzen verstärkt auf das Leseerlebnis und verschiedene Geräte, Scribd hat in den USA einen Wurf zur Buchentdeckung durch Algorithmen und “menschlichen” Empfehlungen hingelegt und Amazon sitzt eh auf dem dicksten Geldsack. Von den Bibliotheken und deren Sicht auf die Dinge wollen wir gar nicht erst sprechen.

Zugleich gibt es jetzt ein paar Anbieter, die sich im Kern mit Buchempfehlungen positionieren, unabhängig von einem Abomodell.  aber auch in Deutschland gibt es neue Plattformen. Hier ein Überblick:

 

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Personen geben Empfehlungen ab. Die Gesichter dahinter schaffen Vertrauen und der Auftritt ist dem einer digitalen Buchhandlung nachempfunden (Quelle: MyBook).

 

MyBook sucht Anleihen am bisherigen Verkaufsgespräch mit einer Buchhändlerin, einem Buchhändler. Die Empfehlungen kommen scheinbar von Personen, die vorgestellt werden und den Nutzer auch direkt ansprechen. Die intendierte Zielgruppe dürften vor allem Frauen sein angesichts der Überzahl weiblicher Expertinnen, dem Stil und den vorwiegenden Werbebotschaften und Botschafterinnen auf den ersten Seiten. Der Kunde wird hier durch eine Reihe von Fragen geführt, nach deren Ausfüllen er dann auch seine Buchempfehlung von einer Person erhält. Diese zehn Kategorien umfassen so unterschiedliche Klassifizierungen wie die klassischen Einordnungen nach Genres, Geschlecht, Alter, Empfehlung für einen Freund oder Lieblingsbücher.

 

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Bei mybook wird der Leser durch 10 Fragen geleitet, nach deren Beantwortung er dann eine Empfehlung erhält (Quelle: mybook).

 

Ebenfalls nach einer Abfrage erhält der Kunde bei lokibo seine Empfehlungen. Hier sind es sieben Fragen, die im ersten Schritt um das Thema, die Einschätzung bisheriger Bücher und vergleichbare Titel kreisen. Danach werden in einem zweiten Schritt die Erwartungen und Wünsche an das neue Werk formuliert, um in einem dritten Schritt das passende Angebot zu präsentieren.

 

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Lokibo bietet nach einer zweistufigen Abfrage zu bisherigen Titeln und den Erwartungen an das künftige Buch passende Empfehlungen an (Quelle lokibo).

 

Einen etwas anderen Weg verfolgt Flipintu. Hier kann der Nutzer per drag&drop Themen auswählen und erhält gleich drei Vorschläge, die er dann mit vielen weiteren Vorschlägen in einer Art Magazin vertieft ansehen kann.

 

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Bei Flipintu bietet dem Nutzer spielerisch sofort vier Vorschläge zu dem Genre, das er gerade auswählt. Dadurch erhält er auch ohne lange Fragebögen schon ein Resultat. Bestellen kann man dann die Titel auch sofort (Quelle: Flipintu).

 

Hier erhält der Kunde auch ohne eine längere Abfrage schon Vorschläge. Nur das Thema muss genannt werden. Im Magazin werden dann die Titel angezeigt, die sich aufgrund eines komplexen Algorithmus anbieten. Merkmale wie Orte, Stimmungen nach der limbic map, handelnde Personen, Zeiten etc. können von Hand und automatisiert zugeordnet werden und führen in der Summe dann zusammen mit den Empfehlungen anderer Leser zu den Ergebnissen für den jeweiligen Nutzer. Dabei werden nicht nur die Titel angezeigt, sondern auch Rezensionen, weitere Informationen rund um die Bücher, Interviews etc.  Die Plattform versteht sich hier als Themenplattform, die auch für andere Formate offen ist und mit Zeitschriftenverlagen eigene Serien und Angebote testet.

 

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In einem persönlichen Magazin erhält der Nutzer all die Bücher, Leseproben, Rezensionen, Bloggerbeiträge Interviews mit Autoren oder weitere Informationen rund um das Thema, die zu seinem Profil passen. Dabei werden neben den Thema-Kategorien noch weitere Merkmale berücksichtigt, um die Empfehlungen dem Kundenwunsch anzupassen (Quelle: Flipintu).

 

Allen drei Diensten gemeinsam ist, dass sie für das Entdecken von Büchern digitale Lösungen suchen. Stehen bei Amazon das reibungslose Fulfillment im Vordergrund und die Fülle des Angebots, bei Google die Suchmechanismen, dann sind es bei diesen neuen Firmen die Empfehlungen, die sich aus einer Mischung von kuratierten Inhalten und Algorithmen speisen.

 

Veröffentlicht von

www.smart-digits.com

Meine Schwerpunkte sind die strategische Entwicklung von Unternehmen, die Gestaltung der passenden Geschäftsmodelle und die Kundenanalyse - das klingt nach trockenem Brot. Aber es kann sehr kreativ, anregend und erfüllend sein. Aus meiner Erfahrung als Produktmanager, Verlagsleiter und Geschäftsführer beim Carl Hanser Verlag und Haufe-Lexware kenne ich das Mediengeschäft und die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Mit Partnern entwickle ich Plattformen wie flipintu oder lectory und digitale Lernmethoden mit dem Goethe-Institut und verschiedenen Universitäten. Man muss etwas selber erfahren, um es auch vermitteln zu können. Nicht dass ich ein Fan von Steve Jobs wäre, aber seine legendäre Rede in Stanford ist klug und das Motto passt: Stay hungry. Stay foolish. Das Leben ist zu kurz, um es mit sinnlosen Meetings und Phrasen zu vergeuden.