MOOCs – wer will das?

Die Diskussion um MOOCs ist lang. Sie ist geprägt von ähnlichen Gegensätzen, wie wir sie aus der Diskussion um eBooks oder Selfpublishing auch kennen: Tradition versus Innovation, Qualität versus Billigangebot, große Ökosysteme versus Nischenanbieter….
Dazu kommt, dass die großen Ökosysteme ihre Kunden und ihre Kundendaten im großen Teich “Bildung” umgarnen: Google for education unterrichtet die Schüler, unterstützt von Youtube, eduatgoogle und seine vielen Kanäle wie z.B. den “BildungsserverKanal“, Amazon education bietet die Infrastruktur, Amazon inspire steht vor dem Start (siehe auch den Beitrag im digital reader) und Apples iTunesU bringt vorinstalliert die Bildung schon via Tablet in jeden Haushalt. Aber auch Firmen wie SAP locken mit kostenlosen Kursen. Lohnen sich da MOOCs überhaupt noch? Vor allem, wenn man sich die traditionell hohen Abbrecherquoten ansieht.

Die BITKOM hat in ihrem Leitfaden zu MOOCs darauf hingewiesen, dass diese Form von den meisten Teilnehmern ergänzend genutzt wird und deshalb auch hohe Abbrecherquoten vorweist. Diese ließen sich nur durch eine gute Begleitung reduzieren. Das ist für Pädagogen nichts Neues. Entweder der Druck oder der gute Pädagoge sind schon immer die besten Lehrmeister gewesen. Aber jetzt kommt eben dazu, dass die Lehrer viel lernen müssen. Wir kennen das selber aus unseren digitalen Kursen. Denn auch für die Dozenten bedeutet es eine Umstellung:

  • Methodendiversität: Der Dozent ist häufiger in der Rolle des Moderators und Mentors, der den Teilnehmern viel Freiraum und eigene Recherche erlaubt. Die passende Kombination der Methoden muss von Fall zu Fall gefunden werden.
  • Das führt zu Modulen, die in sich abgeschlossen sind und in kurzer Zeit auf den Punkt kommen.
  • Interaktivität: Die richtigen Fragen wollen gestellt werden, auf den Punkt genau für die entsprechenden Medien. Das können nicht alle Dozenten, auch ohne Schulung in platonischen Dialogen. Und die Antworten werden dem folgend in dem Rhythmus erwartet, manchmal zeitnah, manchmal versetzt. Und natürlich sollten die Teilnehmer auch untereinander kommunizieren.
  • In den Videokursen spielen Mimik und Gestik eine andere Rolle. Der einfache Zugang zu Inhalten wird immer bedeutender, denn die das Internet bietet zahlreiche Beispiele für gut aufbereitete, schnell verständliche Inhalte. Das setzt den Maßstab.

Beispielhaft für viele innovative Angebote ist im Verlagsbereich einmal mehr O´Reilly (auf andere Anbietern hatten wir schon häufiger hingewiesen).

oreilley

O´Reilly bietet kostenlose Kurse auf seiner Seite an. Der Ausgangspunkt ist meistens ein Video. Und dann können Text, Programmcodes mit spielerischer Visualisierung, Links zu Comics und anderen Inhalte etc. folgen.

Bei der Produktion spricht man sinnvollerweise von einem Drehbuch: Es gibt ein Gerüst, in dem sich die Einzelteile wie die Schauspieler auf einer Bühne zueinander verhalten. Und wie in einem guten Theaterstück beziehen sich die die Schauspieler aufeinander und entwickeln ihren Rollen entsprechend die Schwerpunkte und Ausprägungen.
Der Lehrende wird zum Regisseur. Der Autor muss die verschiedenen Formate dosiert nutzen.

Eine Studie von Jeanne Carey Ingle und Tanya Moorehead zum Einsatz von Tablets an Schulen bestätigt einmal mehr: Es hängt nicht vom Alter der Lehrer und Schüler ab, sondern von der Bereitschaft, die digitalen Werkzeuge zu nutzen. Je weniger vertraut die Teilnehmer damit sind, desto schlechter die Ergebnisse, das ist offensichtlich. Aber mit ein wenig Anleitung haben viele plötzlich viel Spaß an den neuen Möglichkeiten. Und das wird oft vergessen.
Wenn man den Nutzen von MOOCs bewertet, muss man neben dem Sammeln von Kundendaten immer berücksichtigen, dass die Angebote noch in den Kinderschuhen stecken. Denn das richtige Zusammenspiel von Lehre und Lernenden muss sich wieder neu finden. Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs, mit vielen Angeboten und Versuchen.
Sprich: MOOCs machen Sinn, wenn man Daten und Erfahrungen sammeln will, wenn man einen langen Atem hat, wenn man gute Pädagogen hat. Und das heißt, man sollte mit einem spitzen Angebot beginnen. Aber aus der niedrigen Akzeptanz zu folgern, dass die Kunden keine digitalen Kurse wollen, verkennt die Tatsache, dass Schüler auf YouTube komplizierte Matheaufgaben lernen fürs Abitur.
meinUnterricht.de ist eines von vielen Beispielen, bei denen man versucht, eine eigene Plattform für das Zusammenspiel von Lehrern und Schülern zu gestalten. Sie ist eine Bestätigung dafür, dass junge Lehrer nach Hilfestellung suchen.

mein unterricht

meinUnterricht.de wendet sich vorwiegend an junge Lehrer, die ihr Material zusammenstellen müssen. Sie erhalten Material, können selber Dateien einspielen und verwalten und haben mobil Zugang zu den Inhalten. Die Herausforderung ist hier wie bei all den Plattformkonzepten: Wie bekomme ich genügend guten Inhalt, so dass sich mein Kunde bei mir einloggt und nicht alles über die Plattformen der großen Ökosysteme verwaltet? Einzigartige Inhalte und zugleich der Zugang zu vielen anderen Quellen muss die Losung sein.

 

 

eco

Alle Lernmittel den Lehrenden und Lernenden. Jeder ist seines Wissens Schmied und das Heraustreten aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit soll hier gefördert werden. Mit Eco darf jeder seine MOOCs selber basteln und mit allen teilen.

Ein anderer Ansatz wird von Eco verfolgt. Auch dieses Portal unterstützt Lehrer, aber indem es sie in die Lage versetzt, gleich selber MOOCs zu erstellen.

 

Veröffentlicht von

www.smart-digits.com

Meine Schwerpunkte sind die strategische Entwicklung von Unternehmen, die Gestaltung der passenden Geschäftsmodelle und die Kundenanalyse - das klingt nach trockenem Brot. Aber es kann sehr kreativ, anregend und erfüllend sein. Aus meiner Erfahrung als Produktmanager, Verlagsleiter und Geschäftsführer beim Carl Hanser Verlag und Haufe-Lexware kenne ich das Mediengeschäft und die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Mit Partnern entwickle ich Plattformen wie flipintu oder lectory und digitale Lernmethoden mit dem Goethe-Institut und verschiedenen Universitäten. Man muss etwas selber erfahren, um es auch vermitteln zu können. Nicht dass ich ein Fan von Steve Jobs wäre, aber seine legendäre Rede in Stanford ist klug und das Motto passt: Stay hungry. Stay foolish. Das Leben ist zu kurz, um es mit sinnlosen Meetings und Phrasen zu vergeuden.