Das Corona-Narrativ – Teil 3: Warum Handeln in der Krise Trumpf ist – aber nachdenkliches Agieren in komplexen Systemen lebensnotwendig

Avivah Wittenberg-Cox fragt in einem Artikel in Time, (hier eine Zusammenfassung von RND) warum so viele Länder mit einer besonnenen, weiblichen Führung, die Krise so gut meistern im Vergleich zu anderen und der Guardian u.a. haben das aufgegriffen. Nun ist das Thema Führung nicht das einzige Kriterium bei der Bewältigung einer Krise und der Blick ist in diesem Artikel weit entfernt von einer belastbaren Studie (siehe hier die Kolumne von Birgit Schmid in der NZZ). Aber er wirft einen Blick auf Merkmale, die anscheinend in Deutschland, Taiwan oder Island eine andere Ausprägung erfahren: Wahrheit, Entschiedenheit, Technologie und Liebe. Mit Hilfe des Cynefin-Modells zu Entscheidungssituationen in der Krise soll dies mit anderen Merkmalen näher untersucht werden. Weiterlesen

Das Corona-Narrativ – Teil 2: Warum uns KI nicht vorgewarnt hat – oder wo war Google Flu Trends?

Google wurde vor Jahren dafür gefeiert, Grippewellen gut vorhersehen zu können, weil das Suchverhalten vieler früher als der Besuch beim Arzt darauf hinweist, dass Bedarf besteht. Aber sie waren beim Start eben nur besser als die der Gesundheitsbehörden. Und der Dienst wurde 2015 eingestellt nach einigen Schnitzern. Und auch die Uni Osnabrück konnte auf der Basis von IBM Watson 2019 keine relevanten Ergebnisse für die Corona-Pandemie liefern. Warum? Weiterlesen

Das Corona-Narrativ – Teil 1: Warum alle Zahlen falsch und richtig sind

Die Epidemie hat das Land, hat die Stadt fest im Griff. Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich. Alte Ordnungen zerbrechen, neue entstehen, Traditionen werden wieder hervorgeholt, andere verschwinden. Rituale zur Verständigung über Liebe und Treue, Tod und Unheil lösen sich auf. “Gegen dieses Übel half keine Klugheit oder Vorkehrung, obgleich man es daran nicht fehlen und die Stadt durch eigens dazu ernannte Beamte von allem Unrat reinigen ließ, auch jedem Kranken den Eintritt verwehrte und manchen Ratschlag über die Bewahrung der Gesundheit erteilte.” Die Stadt versinkt im Chaos. Zehn Frauen und Männer beschließen in dieser Situation, sich zurückzuziehen und suchen nach Orientierung. Sie ordnen Ihren Alltag, bilden neue Gewohnheiten. Reihum darf jeder für einen Tag das zentrale Thema bestimmen. Unter diesem Leitmotiv erzählen sie sich dann zu festgelegten Zeiten eine unerhörte Begebenheit, eine Novelle. Diese behandeln alle erdenklichen Themen und scheuen sich auch nicht, sich von bisherigen moralischen Vorstellungen zu lösen. Der Umgang mit Erotik und Sexualität ist genauso bedeutend für die Konstituierung von Sinn wie die Haltung zu Lüge und Verbrechen, Treue und Verrat. Aus diesen Geschichten hoffen Sie Struktur und Halt zu gewinnen, Andeutungen dafür, wie sie ihre Zukunft gestalten wollen.
Sie werden es erkannt haben. Bei der Stadt handelt es sich um Florenz. Wir schreiben das Jahr 1348. Boccaccios Decamerone wird heute zurecht als Meilenstein der Weltliteratur gewürdigt. Es geht um den Sinn von Literatur aus der Erfahrung des Chaos.
Aber was hat das mit Corona zu tun, was mit Narrativen, Google, Medienkompetenz und KI?
Der Vergleich soll dazu dienen, einiges klarer zu erkennen. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur Gutenberg-Galaxis, zu unseren Herausforderungen heute zeigen sich in der Krise besonders deutlich. Es geht darum, was wir warum glauben wollen und sollten und wieso Medienkompetenz nötiger ist denn je, um mit Krisen umzugehen. Weiterlesen

Ist Google Maps das mächtigste soziale Netzwerk?

Wie soll ein Kartendienst ein soziales Netzwerk sein?
Nehmen wir an, Josef K. kommt in einer ihm unbekannten Stadt an. Diese Stadt ist wie alle Metropolen ein Gewirr an Stimmen und Wegen, Kulturen und Gewohnheiten, Angeboten und Märkten. Josef K. erhält mit Google Maps Vorschläge für geeignete Orte, die seinen Interessen und Vorlieben nahe kommen, denn sie sind abgeglichen mit seinen bisherigen Präferenzen, geäußert in vielen Telefonaten, Nachrichten und vor allem Suchanfragen. Er erhält Vorschläge für Aktivitäten wie kulturelle Veranstaltungen oder Sportaktivitäten, die zu seinem Alter, seiner Fitness und seinen intellektuellen Interessen passen. Ist jemand aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis in der Nähe, so wird diese Information ebenso eingespielt wie Orte, an denen Menschen mit ähnlichen Profilen anzutreffen sind. Er erhält präzise Routen mit einem Vergleich der Verkehrsmittel, Zeiten und Kosten. Jede Stimme der Stadt lässt sich mit einem eigenen Übersetzungsdienst erfassen und deuten. Wie ein virtueller Falk-Plan entfaltet sich ihm die Stadt in ihrer Fülle. Sie ist ihm längst nicht mehr fremd, denn er kann Vertrautes und Neues mischen. Josef K. erhält Orientierung und wird besser entscheiden und handeln. Auch wenn ihn dieser Dienst wohl nicht vor Viren schützt, so zeigt er ihm doch die Auslastung von Verkehrsmitteln an in Corona-Zeiten.
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Digitales Lesen verdummt die Jugend! Wirklich?

  1. Die Jugend kann sich nicht mehr konzentrieren, weil sie dauernd nach Neuigkeiten auf dem Smartphone jagt.
    Sie liest nicht mehr aufmerksam und kann deshalb komplexe Zusammenhänge nicht mehr verstehen.
    Sie ist damit schlechter auf das Leben vorbereitet und wir blicken einer düsteren Zukunft entgegen, in der doch ein fundiertes Verständnis der Umstände und nachhaltiges Denken und Handeln nötig sind.
  2. Die Jugend kann aufgrund ihre Prägung durch das Smartphone schneller verschiedenste Informationen verarbeiten.
    Sie kann sich in unübersichtlich anmutenden Räumen zurechtfinden. Sie agiert vernetzt und agil.
    Sie verlässt sich nicht auf tradierte Gesetze und kann deshalb auch in komplexen bis hin zu chaotischen Situationen handeln. Das ist die Voraussetzung, um in der Zukunft neue Lösungen mit Hilfe digitaler Werkzeuge zu entwickeln.

Und? Was meinen Sie?

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Wie suchen die Leser ihre Bücher?

Auf dem nächsten Data Summit am 27. November werden unter anderen auch Gesa Schöning und Ralf Winkler von QualiFiction zum Thema Metadaten und Automatisierung durch Software sprechen. Sie wurden erst jüngst auf der Frankfurter Buchmesse Gewinner des Start-up-Wettbewerbs CONTENTshift und unterstützen Verlage und Autoren bei der Analyse ihrer Texte und besseren Positionierung ihrer Titel. Wir haben die beiden im Vorfeld nach ihrer Software befragt. Weiterlesen